Die theoretische Physikerin Dr. Isabel Mira Oldengott von der Universität Bielefeld ist eine von zehn bundesweit vielversprechenden Nachwuchsforschenden, die den renommierten Heinz Maier-Leibnitz-Preis erhalten. Er gilt als wichtigste Auszeichnung zur Unterstützung junger Forschungskarrieren in Deutschland. Oldengott ist die erste Angehörige der Universität Bielefeld, die diese Auszeichnung erhält. Der Preis wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vergeben. Die Verleihung findet am 11. Juni in Berlin statt.
Als theoretische Physikerin ist Dr. Isabel Mira Oldengott an der Schnittstelle von Elementarteilchenphysik und Kosmologie aktiv und bewegt sich damit zwischen den kleinsten und den größten Skalen des Universums.
„Isabel Mira Oldengott ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir exzellente junge Wissenschaftler*innen für die Universität Bielefeld gewinnen können“, sagt Professorin Dr. Angelika Epple. „Dass sie nach Stationen im Ausland zurückgekehrt ist und hier Forschung auf höchstem Niveau betreibt, unterstreicht die hervorragenden Forschungsbedingungen an unserer Universität. Ich gratuliere ihr zu dieser besonderen Auszeichnung ganz herzlich“.
Isabel Mira Oldengott hat sich mit ihren Beiträgen zur Untersuchung der Eigenschaften von Neutrinos in ihrer Laufbahn früh international einen Namen gemacht. Es ist ihr als erste gelungen, die kosmologischen Auswirkungen von hypothetischen Neutrino-Selbstwechselwirkungen mit Methoden der statistischen kinetischen Theorie korrekt zu beschreiben. In nachfolgenden Arbeiten hat sie sich auch mit den Implikationen von möglichen Neutrinozerfällen und Wechselwirkungen mit anderen Teilchen befasst. Ihren Arbeiten ist zu verdanken, dass aus Beobachtungen der Struktur des Universums Rückschlüsse auf die Eigenschaften der oft als „Geisterteilchen“ beschriebenen Neutrinos gezogen werden können.

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Warum Materie die Antimaterie dominiert
Weitere herausragende Arbeiten von Isabel Mira Oldengott beschäftigen sich mit der Dominanz von Materie über Antimaterie im Universum. Bislang konnte die Physik nicht erklären, warum die Antimaterie bereits kurz nach dem Urknall nahezu vollständig verschwunden ist. Die Arbeiten von Dr. Isabel Mira Oldengott könnten einen Paradigmenwechsel einleiten. Der Bielefelder Physikerin ist eine methodisch innovative Berechnung gelungen, die die Dominanz von Materie über Antimaterie in unserem Universum mit einem Phasenübergang im Bereich der starken Wechselwirkung verknüpft. Diese könnte Einfluss auf zukünftige Beobachtungen von Gravitationswellen aus einer sehr frühen Epoche des Universums haben.
Dr. Isabel Mira Oldengott hat an der RWTH Aachen studiert und anschließend an der Universität Bielefeld promoviert. Zwischenzeitig arbeitete sie als Postdoc an der spanischen Universität von Valencia und der belgischen Université catholique de Louvain, bevor die Universität Bielefeld sie unter anderem für die Mitarbeit in einem Sonderforschungsbereich zurückgewinnen konnte. Zudem wendet sie modernste Computeralgorithmen und statistisch-numerische Verfahren an. Daneben engagiert sie sich in der Wissenschaftskommunikation, in Workshops für Schülerinnen und Schüler und hat für die Wissenswerkstatt Bielefeld das Escape Game COSMOmission mitentwickelt.
Wissenschaftsministerin Ina Brandes erklärte: „In Nordrhein-Westfalen finden junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein hervorragendes Umfeld für exzellente Forschung in ganz unterschiedlichen Fachgebieten. Die Auszeichnung von Isabel Mira Oldengott zeigt, wie starke Grundlagenforschung dazu beiträgt, die fundamentalen Rätsel unseres Universums zu lösen. Meinen herzlichen Glückwunsch an Dr. Oldengott zu dieser herausragenden Leistung.“
In diesem Jahr wurden 156 Nominierungsvorschläge bei der DFG eingereicht. Die zehn Ausgezeichneten erhalten ein Preisgeld in Höhe von jeweils 200.000 Euro, das sie bis zu drei Jahre für ihre weitere Forschungsarbeit verwenden können.