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Denkanstöße live: teutolab-sozialwissenschaften startet


Text: Dr. Kristina Nienhaus

An der Universität Bielefeld entsteht mit dem teutolab-sozialwissenschaften ein neuer außerschulischer Lernort: Er verbindet Politik, Wirtschaft und Soziologie und lädt Jugendliche ein, ihren Alltag, gesellschaftliche Konflikte und Zukunftsfragen kritisch zu erkunden. Forschende der Universität entwickeln hier neue Wege, um junge Menschen zu stärken, in einer Zeit wachsender Unsicherheiten und politischer Polarisierung.

An der Universität Bielefeld geht Anfang 2026 ein neues teutolab an den Start: das teutolab-sozialwissenschaften. Es ergänzt die als außerschulische Lernorte etablierten und über die Region bekannten teutolabs erstmals um einen geisteswissenschaftlichen Schwerpunkt. Projektleiter Tim Schubert betont: „Wir wollen Jugendlichen einen Raum geben, in dem sie gesellschaftliche Fragen angstfrei, selbstbestimmt und kritisch erkunden können. Gerade jetzt brauchen junge Menschen das Gefühl, gehört zu werden.“

Das neue Angebot entsteht in einer gesellschaftlich herausfordernden Zeit. Weltweit gewinnen Autokratien an Einfluss, Demokratien geraten unter Druck. Zugleich fühlen sich viele Jugendliche politisch wenig ernst genommen, obwohl rund 80 Prozent angeben, Politik mitgestalten zu wollen. Studien zeigen: Wer sich als selbstwirksam erlebt, also als Mensch, der Einfluss nehmen kann, engagiert sich eher politisch. Genau hier setzt das teutolab an.

Portraitbilder zweier Männer
Das teutolab-sozialwissenschaften ist in ein Forschungsprojekt eingebettet, das Professor Dr. Udo Hagedorn (rechts) und Projektleiter Tim Schubert (links) entwickeln. Es untersucht, wie sich soziales Lernen im schulischen Umfeld von Lernprozessen an einem außerschulischen Ort unterscheidet.

Alltag, Konflikte, Orientierung

Die erste Pilotreihe startet im Februar 2026 für die Jahrgangsstufe 11. Ihr Titel „Können wir uns lieben?“ greift ein Thema auf, das Jugendliche stark beschäftigt: gesellschaftliche Spaltung und die Angst vor Feindseligkeiten. Die Reihe bietet Orientierung in politischen Grundfragen, etwa bei Verteilungs- und Ressourcenentscheidungen. Fachbegriffe wie „Polarisierung“ (die zunehmende Zuspitzung gegensätzlicher Positionen) oder „Fake-News“ (gezielte Falschinformationen) werden verständlich erklärt, von den Jugendlichen selbst erarbeitet und praktisch erfahrbar gemacht.

Ein zentrales Ziel ist es, Jugendlichen Wege aus ihren algorithmisch gefilterten Social-Media-Blasen zu eröffnen. Da Plattformen wie Instagram oder TikTok für viele die wichtigsten Informationsquellen sind, lernen sie im teutolab, Inhalte kritisch zu prüfen und unterschiedliche Perspektiven auszuhalten.

Das teutolab-sozialwissenschaften lädt Jugendliche ein, gesellschaftliche Fragen rund um Demokratie, Politik und Zusammenhalt kritisch zu erkunden.

Lernen, das wirkt

Das Setting folgt einem konstruktivistischen Ansatz, einer Lernform, in der Jugendliche Wissen aktiv aufbauen, statt es nur aufzunehmen. In offenen und selbstorganisierten Arbeitsphasen nutzen sie digitale Lernumgebungen sowie bewusst gewählte haptische Methoden. So stärken sie ihre Urteilskraft, ihre Methodenkompetenz und ihr Vertrauen in die eigene Wirksamkeit.

Das teutolab-sozialwissenschaften ist in ein Forschungsprojekt eingebettet, das Professor Dr. Udo Hagedorn und Projektleiter Tim Schubert entwickeln. Es untersucht, wie sich soziales Lernen im schulischen Umfeld von Lernprozessen an einem außerschulischen Ort unterscheidet. „Für die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften ist das etwas Neues, das wir hier aufbauen. Wir freuen uns sehr auf die Öffnung für Schulen und die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen“, sagt Hagedorn.

Weitere Reihen zu „Demokratie“ und „Human-AI-Teams“ sind bereits in Planung, ebenfalls in enger Zusammenarbeit mit weiteren Wissenschaftler*innen der Universität Bielefeld.

Das neue teutolab sieht sich als Netzwerkpartner innerhalb der Universität. Es bündelt Expertise und öffnet Jugendlichen einen Raum, in dem sie Zukunft informiert und mit eigener Stimme gestalten können.

Die teutolabs an der Universität Bielefeld

Die teutolabs an der Universität Bielefeld stehen als Mitmach- und Experimentierlabore für die Förderung von Motivation und Interesse von Schüler*innen.

Schüler*innen sind zum Anfassen, Ausprobieren und Verstehen eingeladen. Das im Mittelpunkt stehende Experimentieren und Forschen führt so zu einem tieferen und ganzheitlichen Verständnis. Gleichzeitig stellen die teutolabs eine Verbindung zwischen der Universität und den Schulen her.

Jährlich besuchen mehr als 25.000 Schüler*innen die teutolabs und die verbundenen Netzwerkpartner. Zugleich werden Lehrer*innen-Fortbildungen, Schüler*innen-Forschungs-Projekte sowie Angebote für die allgemeine Öffentlichkeit angeboten.