Fans des DSC Arminia Bielefeld erleben Fußballfieber im Stadion intensiver als vor dem Fernseher. Eine Studie der Universität Bielefeld belegt klare Unterschiede in Herzfrequenz und Stresslevel beim DFB-Pokalfinale 2025. Die direkte Präsenz im Stadion verstärkt der Studie zufolge Reaktionen auf Tore und Spielverlauf deutlich. Die Forschenden erfassten die Vitalwerte von 229 Fans über zwölf Wochen über Smartwatches. Veröffentlicht wurde die Studie in Scientific Reports, einem Fachjournal des Nature-Verlags.
Die wichtigsten Fakten im Überblick:
- Fans im Stadion kommen auf durchschnittlich 94 Herzschläge pro Minute, TV-Zuschauer*innen auf nur 79, beim Public Viewing sind es 74.
- Die Anhänger*innen vor Ort reagieren auf Tore mit bis zu 36 Prozent höheren Pulswerten.
- Samstage sind selbst ohne Spiel die stressreichsten Tage für die Fans, das Pokalfinale steigert die Werte nochmals erheblich.
Die Atmosphäre im Stadion treibt den Puls nach oben. Arminia-Fans, die das Pokalfinale am 24. Mai 2025 im Berliner Olympiastadion verfolgten, wiesen eine durchschnittliche Herzfrequenz von 94 Schlägen pro Minute auf. Zuschauer*innen vor dem Fernseher kamen nur auf 79 Schläge, beim Public Viewing waren es sogar nur 74.

© Quelle: Scientific Reports, Universität Bielefeld (CC BY-NC-ND 4.0)
Der Unterschied wird bei emotionalen Höhepunkten noch größer. Nach dem ersten Tor von Arminia Bielefeld schnellte der Puls der Stadionbesucher*innen auf durchschnittlich 108 Schläge, 36 Prozent über dem der TV-Zuschauer*innen. „Die direkte Präsenz verstärkt die körperliche Reaktion offenbar erheblich“, sagt Professorin Dr. Christiane Fuchs, Co-Autorin der Studie und Leiterin der Data-Science-Gruppe an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Bielefeld. Wo die Studienteilnehmer*innen das Finale verfolgten, hatte das Forschungsteam nach dem Spiel per Fragebogen erfasst.
Ursachen für das Stadionfieber lassen sich anhand der verfügbaren Daten nicht eindeutig bestimmen. Den Autor*innen zufolge könnte die direkte Nähe zum Spielgeschehen im Stadion die Herzbelastung erhöhen. Reizdichte, emotionale Ansteckung und Erwartungsspannung könnten dort stärker als vor dem Fernseher wirken, während diese Effekte beim Public Viewing trotz gemeinsamer Atmosphäre offenbar abgeschwächt bleiben.

© Wissenswerkstadt Bielefeld/Sarah Jonek
Samstag ist Stresstag
Schon normale Samstage bedeuten für die Arminia-Fans erhöhten Stress. Die Daten zeigen höhere Werte als an Wochentagen. Die Autor*innen der Studie vermuten dahinter eine grundsätzlich gesteigerte Aktivität an diesem Tag der Woche. Am Finaltag aber stiegen die Messwerte drastisch. Der durchschnittliche Stresspegel erreichte 44,2 Punkte auf einer Skala zwischen 0 und 100. An regulären Tagen waren es nur 31,3. Besonders auffällig ist der Verlauf über den Tag.
Bereits morgens um sechs Uhr, 14 Stunden vor Anpfiff, lagen die Werte über dem Normalbereich. Die Anspannung steigerte sich kontinuierlich und erreichte ihren Höhepunkt kurz vor dem Anpfiff um 20 Uhr. „Wir sehen die Aufregung schon lange vor Spielbeginn“, erklärt Professor Dr. Christian Deutscher von der Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft. Selbst nach Mitternacht blieben die Werte erhöht.

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Wie die Studie zeigt, verstärkt Alkohol die Herzbelastung. Die Hälfte der befragten Fans trank während des Spiels, unter den Stadionbesucher*innen waren es 65 Prozent. Der Konsum erhöhte die Herzfrequenz um durchschnittlich 5,3 Prozent. Bei emotionalen Momenten wie Toren stieg dieser Effekt auf 11,7 Prozent. Die Kombination aus Aufregung, Stadionatmosphäre und Alkohol kann das Herz-Kreislauf-System belasten, warnen die Forschenden. Frühere Studien belegen ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen bei Sport-Großveranstaltungen.
Originalveröffentlichung
Timo Adam, Jonas Bauer, Christian Deutscher, Christiane Fuchs, Tamara Schamberger, David Winkelmann: Measuring football fever through wearable technology: A case study on the German cup final. Scientific Reports, nature.com/articles/s41598-026-36182-1, erscheint am 5. Februar 2026.
Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels enthielt der Abschnitt zum durchschnittlichen Stresspegel sowie zum Stresspegel an regulären Tagen veraltete Zahlen. Wir haben die Angaben korrigiert.