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Studie untersucht Fußballfieber zur Weltmeisterschaft 2026


Text: Jörg Heeren

Update: Dieser Beitrag wurde aktualisiert. Die Teilnahme an der Studie ist inzwischen nicht mehr nur mit Smartwatches der Marke Garmin möglich, sondern auch mit Geräten zwölf weiterer Marken.

Forschende der Universität Bielefeld untersuchen zur Fußball-Weltmeisterschaft 2026, wie Fans verschiedener Nationalteams körperlich auf Spielereignisse reagieren. Eine Vorgängerstudie zum DFB-Pokalfinale 2025 belegte erstmals den direkten Zusammenhang zwischen Spielgeschehen und Vitalfunktionen wie Puls und Stresslevel bei Fans. Kooperationspartner ist die Wissenswerkstadt Bielefeld.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Zur WM 2026 sucht das Bielefelder Forschungsteam Fußballfans verschiedener Nationalteams, die eine Smartwatch oder einen Fitness-Tracker tragen.
  • Die Studie ermittelt, ob und wie Spielereignisse und Nationalität die körperliche Reaktion von Fans beeinflussen.
  • Erfasst werden Herzfrequenz, Stress, Bewegung und Schlaf – automatisch per Smartwatch.

Die Wissenschaftler*innen wollen wissen, wie Fußballfans weltweit Siege und Niederlagen ihrer Mannschaft körperlich erleben. Dazu suchen sie nach Fans, die die Daten ihrer Smartwatches mit ihnen teilen. Wer mitmachen möchte, registriert sich online, gibt Aufenthaltsland, Geschlecht und Nationalität an, benennt das favorisierte Team und schätzt ein, wie intensiv sie oder er sich als Fan erlebt. Sobald genug Fans eines Nationalteams zusammenkommen, verschicken die Forschenden individualisierte Einladungen zum Verbinden der Smartwatch. Während der Weltmeisterschaft werden die Teilnehmenden außerdem befragt, welche Spiele sie live verfolgt haben – und ob sie dabei vorm Fernseher, am Liveticker oder beim Public Viewing mitgefiebert haben.

Fünf lächelnde Personen posieren vor dem unscharfen Hintergrund eines Fußballstadions. Ein Mann im blauen Sakko hält eine Smartwatch, während der Mann hinter ihm einen bunten Fußball hält. Eine Frau präsentiert ein Tablet mit einem Liniendiagramm und die Frau ganz rechts trägt ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft mit einer Sportuhr am Handgelenk.
Zur Weltmeisterschaft rufen sie Fußball-Fans auf, per Smartwatch ihre Vitaldaten bereitzustellen (v.li.): Prof. Dr. Timo Adam, Prof. Dr. Christian Deutscher,Prof. Dr. Roland Langrock, Prof’in Dr. Christiane Fuchs sowie Sophie Kammerer, Pressesprecherin der Wissenswerkstadt.

Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Smartwatch oder ein Fitness-Tracker von insgesamt 13 unterstützten Marken, darunter Garmin, Apple, Google und Samsung. Die Forschenden greifen über einen datenschutzkonformen Zugang anonymisiert auf Daten von Fans zu, die sich freiwillig für die Studie angemeldet haben. „Die langen Akkulaufzeiten vieler der unterstützten Geräte ermöglichen uns lückenlose Datenreihen über mehrere Tage“, sagt Professorin Dr. Christiane Fuchs, Co-Projektleiterin und Leiterin der Data-Science-Gruppe an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Bielefeld.

„Uns interessiert, ob Fans verschiedener Nationalteams unterschiedlich stark auf dasselbe Spielereignis reagieren, zum Beispiel, ob ein Tor für deutsche Fans anders messbar ist als für türkische oder brasilianische“, sagt Professor Dr. Christian Deutscher, Co-Projektleiter an der Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft. „Die WM ist dafür das ideale Forschungsfeld, weil sie Fans aus aller Welt gleichzeitig vor vergleichbare emotionale Situationen stellt.“

Wie schon die Vorgängerstudie begleitet die Wissenswerkstadt Bielefeld auch das WM-Fußballfieber-Projekt. „Smartwatches sind im Alltag angekommen – warum also nicht nutzen, was die Menschen ohnehin am Handgelenk tragen?“, sagt Jens Franzke, Pressesprecher der Wissenswerkstadt. „Genau solche Projekte wollen wir unterstützen: niedrigschwellig, alltagsnah und mit echtem wissenschaftlichem Mehrwert.“

Auf mehreren Länderflaggen und einem deutschen Fußballtrikot liegen ein Tablet mit einer Herzfrequenzkurve, eine Garmin-Smartwatch und ein Fitness-Tracker.
Forschende der Universität Bielefeld erfassen anhand von Smartwatch-Daten bei der WM, wie Fußball das Herz bewegt.

Arminia-Studie als Grundlage

Die neue Untersuchung baut auf Ergebnissen auf, die das Studienteam rund um das DFB-Pokalfinale 2025 gewonnen hat. Zwölf Wochen lang erfassten die Forschenden Vitaldaten von 229 Fans des DSC Arminia Bielefeld per Smartwatch. Stadionbesuchende kamen auf durchschnittlich 94 Herzschläge pro Minute, TV-Zuschauende nur auf 79. Nach Toren lagen die Pulswerte vor Ort bis zu 36 Prozent höher. Der Stresspegel stieg bereits 14 Stunden vor Anpfiff. Die Ergebnisse sind in den Scientific Reports des Springer Nature-Verlags veröffentlicht.

Die Studienreihe zum Fußballfieber ist am Fokusbereich QUAMU der Universität Bielefeld angesiedelt, der sich mit der Quantifizierung von Unsicherheit und dem Umgang mit Unsicherheit befasst. Sie steht zudem in Verbindung mit dem Erkundungsbereich SILAS der Universität. Zum aktuellen Studienteam gehören neben Fuchs und Deutscher auch Professor Dr. Roland Langrock, Professor Dr. Timo Adam, Dr. Tamara Schamberger, Maya Vienken, Julian Wäsche und Dr. David Winkelmann.

„Mit unserem Studiendesign machen wir sichtbar, wie eng kollektive Emotionen, sportliche Identifikation und körperliche Reaktionen miteinander verknüpft sind. Eine solche Wechselwirkung lässt sich nur eingeschränkt unter Laborbedingungen messen – in der Alltagssituation sind die Ergebnisse deutlich realistischer.“
Prof’in Dr. Christiane Fuchs


So funktioniert die Teilnahme

  • Die Anmeldung zur Studie erfolgt einmalig über
    uni-bi.de/worldcupfever.
  • Für die Teilnahme wird eine Smartwatch oder ein Fitness-Tracker benötigt, etwa von Garmin, Apple, Google oder Samsung. Insgesamt werden 13 Marken unterstützt.
  • Sobald sich genug Fans eines Lagers angemeldet haben, erhalten die ausgewählten Personen alle nötigen Informationen zur Registrierung ihrer Smartwatch per E-Mail.
    Damit die Daten übermittelt werden können, muss ihre Übertragung freigegeben werden. Anschließend sendet das jeweilige Gerät automatisch Leistungs-, Gesundheits- und Aktivitätsdaten, zum Beispiel zu Puls, Stress, Bewegung und Schlaf.