Update: Dieser Beitrag wurde aktualisiert. Die Teilnahme an der Studie ist inzwischen nicht mehr nur mit Smartwatches der Marke Garmin möglich, sondern auch mit Geräten zwölf weiterer Marken.
Forschende der Universität Bielefeld untersuchen zur Fußball-Weltmeisterschaft 2026, wie Fans verschiedener Nationalteams körperlich auf Spielereignisse reagieren. Eine Vorgängerstudie zum DFB-Pokalfinale 2025 belegte erstmals den direkten Zusammenhang zwischen Spielgeschehen und Vitalfunktionen wie Puls und Stresslevel bei Fans. Kooperationspartner ist die Wissenswerkstadt Bielefeld.
Die wichtigsten Fakten im Überblick:
- Zur WM 2026 sucht das Bielefelder Forschungsteam Fußballfans verschiedener Nationalteams, die eine Smartwatch oder einen Fitness-Tracker tragen.
- Die Studie ermittelt, ob und wie Spielereignisse und Nationalität die körperliche Reaktion von Fans beeinflussen.
- Erfasst werden Herzfrequenz, Stress, Bewegung und Schlaf – automatisch per Smartwatch.
Die Wissenschaftler*innen wollen wissen, wie Fußballfans weltweit Siege und Niederlagen ihrer Mannschaft körperlich erleben. Dazu suchen sie nach Fans, die die Daten ihrer Smartwatches mit ihnen teilen. Wer mitmachen möchte, registriert sich online, gibt Aufenthaltsland, Geschlecht und Nationalität an, benennt das favorisierte Team und schätzt ein, wie intensiv sie oder er sich als Fan erlebt. Sobald genug Fans eines Nationalteams zusammenkommen, verschicken die Forschenden individualisierte Einladungen zum Verbinden der Smartwatch. Während der Weltmeisterschaft werden die Teilnehmenden außerdem befragt, welche Spiele sie live verfolgt haben – und ob sie dabei vorm Fernseher, am Liveticker oder beim Public Viewing mitgefiebert haben.

© Alejandro Arditi
Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Smartwatch oder ein Fitness-Tracker von insgesamt 13 unterstützten Marken, darunter Garmin, Apple, Google und Samsung. Die Forschenden greifen über einen datenschutzkonformen Zugang anonymisiert auf Daten von Fans zu, die sich freiwillig für die Studie angemeldet haben. „Die langen Akkulaufzeiten vieler der unterstützten Geräte ermöglichen uns lückenlose Datenreihen über mehrere Tage“, sagt Professorin Dr. Christiane Fuchs, Co-Projektleiterin und Leiterin der Data-Science-Gruppe an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Bielefeld.
„Uns interessiert, ob Fans verschiedener Nationalteams unterschiedlich stark auf dasselbe Spielereignis reagieren, zum Beispiel, ob ein Tor für deutsche Fans anders messbar ist als für türkische oder brasilianische“, sagt Professor Dr. Christian Deutscher, Co-Projektleiter an der Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft. „Die WM ist dafür das ideale Forschungsfeld, weil sie Fans aus aller Welt gleichzeitig vor vergleichbare emotionale Situationen stellt.“
Wie schon die Vorgängerstudie begleitet die Wissenswerkstadt Bielefeld auch das WM-Fußballfieber-Projekt. „Smartwatches sind im Alltag angekommen – warum also nicht nutzen, was die Menschen ohnehin am Handgelenk tragen?“, sagt Jens Franzke, Pressesprecher der Wissenswerkstadt. „Genau solche Projekte wollen wir unterstützen: niedrigschwellig, alltagsnah und mit echtem wissenschaftlichem Mehrwert.“

© Alejandro Arditi
Arminia-Studie als Grundlage
Die neue Untersuchung baut auf Ergebnissen auf, die das Studienteam rund um das DFB-Pokalfinale 2025 gewonnen hat. Zwölf Wochen lang erfassten die Forschenden Vitaldaten von 229 Fans des DSC Arminia Bielefeld per Smartwatch. Stadionbesuchende kamen auf durchschnittlich 94 Herzschläge pro Minute, TV-Zuschauende nur auf 79. Nach Toren lagen die Pulswerte vor Ort bis zu 36 Prozent höher. Der Stresspegel stieg bereits 14 Stunden vor Anpfiff. Die Ergebnisse sind in den Scientific Reports des Springer Nature-Verlags veröffentlicht.
Die Studienreihe zum Fußballfieber ist am Fokusbereich QUAMU der Universität Bielefeld angesiedelt, der sich mit der Quantifizierung von Unsicherheit und dem Umgang mit Unsicherheit befasst. Sie steht zudem in Verbindung mit dem Erkundungsbereich SILAS der Universität. Zum aktuellen Studienteam gehören neben Fuchs und Deutscher auch Professor Dr. Roland Langrock, Professor Dr. Timo Adam, Dr. Tamara Schamberger, Maya Vienken, Julian Wäsche und Dr. David Winkelmann.

© Patrick Pollmeier