Rund 40 Wissenschaftler*innen aus Europa, Nordamerika und Asien diskutieren vom 8. bis 10. April an der Universität Bielefeld, wie Marktlogik sozialistische Gesellschaften in China, Vietnam und Laos verändert. Die Tagung ist Auftakt für das Projekt „FinancialLives“, das mit einem Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) gefördert wird.
Den Eröffnungsvortrag hält Professor Dr. Erik Harms von der Yale University (Connecticut, USA). In sieben Panels erörtern Wissenschaftler*innen aus mehr als zehn Ländern, wie Finanzmärkte den Alltag von Arbeiter*innen durchdringen. Die Themen reichen von Landkommodifizierung über Kohlenstoffmärkte bis zu digitalen Plattformökonomien (Programm als PDF).
Den theoretischen Rahmen des Workshops liefert Karl Polanyis Konzept der fiktiven Waren, das Arbeit, Land und Geld als Güter beschreibt, die eigentlich nicht für den Markt gemacht sind, aber dennoch wie Waren gehandelt werden – daher der Tagungstitel: „Fictitious Commodities Revisited“ (Fiktive Waren neu betrachtet).

© Universität Bielefeld/Sarah Jonek
Risiko als Normalzustand
Arbeiter*innen in China, Vietnam und Laos leben in Gesellschaften, die sozialistische Politik mit Marktwirtschaft verbinden. Weil staatliche Sozialsysteme sie kaum vor Marktrisiken schützen, greifen sie zunehmend auf finanzielle Strategien zurück. Der Workshop geht der Frage nach, was das für Arbeitsverhältnisse, soziale Bindungen und politische Teilhabe bedeutet.
„Wir wollen verstehen, wie finanzielles Risiko in diesen Gesellschaften zur Normalität geworden ist und welche Folgen das für die arbeitenden Menschen und das soziale und politische Leben hat“, sagt Professorin Dr. Minh Nguyen, Leiterin des Workshops und des ERC-Projekts „FinancialLives“ (Finanzielle Lebenswelten). „Der Workshop bettet diese Fragen in vergleichende Analysen der umfassenden Marktumbrüche ein, die sich in diesen Ländern unter kommunistischen Einparteienstaaten vollziehen.“