Bildungsungleichheit, der Einsatz künstlicher Intelligenz im Unterricht und die Förderung kritischen Denkens beschäftigen Schulen und pädagogische Einrichtungen im ganzen Land. Vom 28. bis 30. September treffen sich rund 300 Bildungsforschende aus dem deutschsprachigen Raum zur 90. Tagung der Arbeitsgruppe für Empirische Pädagogische Forschung, kurz AEPF. In der Universität Bielefeld diskutieren sie, wie Wissen in erziehungswissenschaftlicher Forschung, Gesellschaft und Pädagogik geordnet wird.
Jeder der drei Tagungstage beginnt mit einer Keynote. Am Montag eröffnen Privatdozent Dr. Lukas Otterspeer und Dr. Christoph Haker, beide von der von der Europa-Universität Flensburg, die Tagung mit einem Vortrag über soziale Grenzen und Multiperspektivität. Sie gehen der Frage nach, wie sich Wissenschaft von Nichtwissenschaft abgrenzt, und zeigen, wie die Erziehungswissenschaft mit rechtsextremen Tendenzen umgeht. Am Dienstag folgt Professorin Dr. Katharina Vogel von der Humboldt-Universität zu Berlin mit einem Vortrag dazu, wie erziehungswissenschaftliches Wissen durch Zitieren, Kanonisieren und Vergessen entsteht. Am Mittwoch hält Professor Dr. Marcus Pietsch von der Leuphana Universität Lüneburg die Keynote des letzten Tagungstags. Er zeigt, warum reine Best-Practice-Beispiele nicht ausreichen, um Schulen widerstandsfähig und zukunftsorientiert zu machen.

© Universität Bielefeld
Wissen entsteht durch und innerhalb von Regeln
Im Zentrum der Tagung steht der Begriff Wissensordnung. Damit sind gesellschaftlich anerkannte Regeln gemeint, die bestimmen, welches Wissen als gültig gilt und wie es weitergegeben wird. Professorin Dr. Christine Demmer, Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld und Mitglied des Organisationsteams, betont: „Empirische Forschung hilft uns, Bildungsrealitäten besser zu verstehen und zu verändern. Angesichts wandelnder Wissensordnungen ist es wichtig zu wissen, unter welchen Bedingungen anerkanntes Wissen entsteht und welches Wissen in Bildungseinrichtungen vermittelt wird.“ Die Wissenschaftler*innen sprechen auf der Tagung über die Rolle von Wissenschaft im gesellschaftlichen Diskurs: Wie entsteht wissenschaftliches Wissen, welche Forschungsmethoden kommen dabei zum Einsatz und wie müssen sie weiterentwickelt werden, damit daraus anerkanntes Wissen entsteht?
Auf der Tagung werden Forschungsergebnisse zu verschiedenen pädagogischen Handlungsfeldern vorgestellt und diskutiert. Dazu gehören Bildungsungleichheit, sprachliche Grundbildung, der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Schule und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Die Wissenschaftler*innen gehen auch auf die Förderung kritischen Denkens und dessen Bedeutung für die Demokratiebildung ein – ein zentraler Aspekt des strategischen Fokusbereichs REFLECT der Universität Bielefeld.
Zweite Tagung in Bielefeld
Die AEPF ist eine Kommission der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) und gehört zur Sektion „Empirische Bildungsforschung“. Sie tagt jährlich an wechselnden Universitäten. Die Universität Bielefeld ist nach 1995 und 2012 bereits zum dritten Mal Gastgeberin. Professorin Dr. Christine Demmer und Professor Dr. Oliver Böhm-Kasper von der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld organisieren die Tagung gemeinsam mit Kolleg*innen aus der Fakultät. Auch 2028 wird Bielefeld zum Treffpunkt der deutschsprachigen Erziehungswissenschaftler*innen: Vom 12. bis 15. März wird die Hauptkonferenz der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE), der DGfE-Kongress, an der Universität Bielefeld abgehalten.