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„Reform – Charisma – Verdeckung“ 


Text: Universität Bielefeld


Der vierte Reflexionsraum dreht sich am 29. Januar 2026 um 18 Uhr im Hörsaal des Y Gebäudes um das Thema „Reform – Charisma – Verdeckung“. Es soll kritisch und selbstreflexiv diskutiert werden, ob und wie eigens produzierte Mechanismen in progressiven Institutionen unter anderem sexualisierte Gewalt und diskriminierende Praxen ermöglichen und legitimieren. 


Die Universität Bielefeld startete 1969 als ambitioniertes Reformprojekt – interdisziplinär und innovativ. Diese Prinzipien prägen bis heute das Selbstverständnis der Universität. Gleichzeitig blieben Fragen interner Machtverhältnisse, exklusiver Männlichkeitsnetzwerke oder der Umgang mit sexualisierter Gewalt in den Anfangsjahren weitgehend unbeachtet – etwa in der Schulpädagogik. Bis heute gelten die Bemühungen der Schließung von Lücken zwischen institutionellem Anspruch und tatsächlichen Strukturen.

Der vierte Reflexionsraum zum Thema „Reform – Charisma – Verdeckung“ nimmt diese Spannung in den Blick. Der zentrale Begriff der Verdeckung beschreibt dabei das mehr oder weniger intentionale Verbergen, Verschleiern und Unsichtbarmachen von Taten, aber auch das Zementieren von bestehenden Ordnungen.

Die leitende These lautet: Je mehr sich Einrichtungen wie Reformuniversitäten auf der „guten“ und „richtigen“ Seite verorten, desto wacher müssen sie gegenüber ausgeblendeten, eigentlich abgewehrten Aspekten sein. Gerade Reformprozesse, die vor dem Hintergrund verkrusteter Strukturen einen inhaltlichen und kulturellen Aufbruch wagen, können anfällig für diese Art von Dynamiken sein.

Zugleich ziehen sie charismatische Personen an, die neue Wege initiieren und vorbereiten, ihre Machtposition jedoch auch entgrenzen können. In derartigen Konstellationen kann es zu Formen „wissender Ignoranz“ im Umfeld sowie einer „Verantwortungsdiffusion“ in komplexen, partizipativ angelegten Strukturen kommen.

Auf dem Podium diskutieren (v.l.) der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Bernhard Pörksen, Gender-Gastprofessorin Dr. Marlene Kowalski und der Historiker Prof. Dr. Oliver Flügel-Martinsen.
Auf dem Podium diskutieren (v.l.) der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Bernhard Pörksen, Gender-Gastprofessorin Dr. Marlene Kowalski und der Historiker Prof. Dr. Oliver Flügel-Martinsen.

Zum Podiumsgespräch mit Publikumsbeteiligung sind eingeladen:

  • Dr. Marlene Kowalski, Gender-Gastprofessorin der Universität Bielefeld (2024/25) und Leiterin der Fachstelle „Aktiv gegen sexualisierte Gewalt“ der Diakonie Deutschland
  • Prof. Dr. Bernhard Pörksen, Medienwissenschaftler an der Universität Tübingen
  • Prof. Dr. Oliver Flügel-Martinsen, Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Bielefeld 

Moderiert wird die Veranstaltung von den Professorinnen Dr. Barbara Thiessen (Dekanin der Fakultät für Erziehungswissenschaft) und Dr. Michaela Vogt (Prorektorin für Internationales, Diversität und Gesellschaft).

Moderiert wird die Veranstaltung (v.l.) von Prorektorin Michaela Vogt und Prof'in Dr. Barbara Thiessen.
Moderiert wird die Veranstaltung (v.l.) von Prorektorin Michaela Vogt und Prof’in Dr. Barbara Thiessen.



Die Reihe „Reflexionsraum“ des Rektorats widmet sich Themen, welche die Gesellschaft besonders beschäftigen. Hierzu lädt die Universität regelmäßig Wissenschaftler*innen ein, die zu aktuellen gesellschaftlichen Konfliktfragen einen Beitrag leisten können. Es ist ein Angebot an die Mitglieder der Universität, aber auch an die Stadtgesellschaft, sich mit fundierten wissenschaftlichen Analysen zu diesen Fragen zu befassen.