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Mathematische Spitzenforschung erleben und verstehen


Autor*in: Universität Bielefeld

Mit der 40. Gauß-Vorlesung der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) wird Interessierten aus Bielefeld und Umgebung die Möglichkeit geboten, mathematische Spitzenforschung hautnah zu erleben. Der Fields-Medaillen-Gewinner Professor Dr. Martin Hairer (École polytechnique fédérale de Lausanne und Imperial College London) spricht am Freitag, 17. November 2023, im Y-Gebäude der Universität Bielefeld zum Thema „Coin tosses, atoms, and forest fires“ („Münzwürfe, Atome und Waldbrände“). Ziel der Gauß-Vorlesung ist, die auf höchstem Niveau betriebene Mathematik verständlich und nachvollziehbar einer breiten interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Veranstaltung findet erstmalig in Bielefeld statt.

Professorin Dr. Barbara Gentz von der mathematischen Fakultät der Universität hat die Veranstaltung in Bielefeld mit organisiert: „Wir freuen uns, dass die Deutsche Mathematiker-Vereinigung der Universität Bielefeld die Gelegenheit gibt, die Gauß-Vorlesung auszurichten. Dies ist auch eine besondere Ehre für unsere Fakultät.“ Die Gauß-Vorlesung zeichne sich dadurch aus, dass sie ein breites Publikum anspricht, das weit über die Grenzen der mathematischen Fachwissenschaften hinausgeht. Dadurch nehme sie einen zentralen Platz in der mathematischen Wissenschaftskommunikation ein.

Bild der Person: Professor Dr. Martin Hairer
Professor Dr. Martin Hairer von der École polytechnique fédérale de Lausanne und dem Imperial College London wird die Gauß-Vorlesung in Bielefeld halten.

Mit der Gauß-Vorlesung der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, die seit 2001 in der Regel zweimal jährlich und an wechselnden Orten in Deutschland stattfindet, ehrt die DMV eine herausragende Persönlichkeit der Mathematik. Begleitet wird die Vorlesung durch einen weiteren Vortrag, oft zu einem Thema aus der Mathematikgeschichte oder verwandten Wissenschaften.

© Michael Adamski

Interview: „Hairers Forschung ist eng mit den Inhalten der Mathematik an der Universität Bielefeld verbunden.“

Anlässlich der Gauß-Vorlesung an der Universität Bielefeld ging Professor Dr. Benjamin Gess im Interview darauf ein, warum die Veranstaltung für die Bielefelder Öffentlichkeit wie auch die fachwissenschaftliche Gemeinschaft an der Universität gleichermaßen spannend und inspirierend sein kann.

Was macht die Gauß-Vorlesung zu einer so bedeutsamen Veranstaltung?

Die Gauß-Vorlesung hat in der mathematischen Forschungsgemeinschaft eine besondere Bedeutung, und das aus zwei Gründen. Zum einen ist sie eine Würdigung der wissenschaftlichen Leistungen des Vortragenden durch die Deutsche Mathematiker-Vereinigung. Zum anderen zeichnet sich die Gauß-Vorlesung dadurch aus, dass sie ein breites Publikum anspricht, das weit über die Grenzen der mathematischen Fachwissenschaften hinausgeht. Dadurch nimmt sie einen zentralen Platz in der mathematischen Wissenschaftskommunikation ein. 

Den wissenschaftlichen Vortrag hält der renommierte Mathematiker Prof. Dr. Martin Hairer, beeinflusst seine Forschung auch Wissenschaftler*innen in Bielefeld?

Die Forschung von Martin Hairer ist eng mit den Grundprinzipien und Inhalten der Mathematik an der Universität Bielefeld verbunden. Seine bahnbrechenden Arbeiten zu singulären stochastischen partiellen Differentialgleichungen zeigen und nutzen tiefgreifende Verbindungen zwischen den Bereichen der Analysis, Wahrscheinlichkeitstheorie, Algebra und Physik. Als Anerkennung für seine Beiträge in diesem Bereich wurde Martin Hairer im Jahr 2014 die Fields-Medaille verliehen, die höchste Auszeichnung in der Mathematik. Die Fragen, die er im Rahmen der Quantenfeldtheorien erforscht hat, haben an der Universität Bielefeld eine lange Tradition, und gleichzeitig dienen seine Erkenntnisse als Inspirationsquelle für laufende Forschungsprojekte in Bielefeld.

Welche Forschungsprojekte stehen in Bielefeld denn gerade im Fokus?

Die Forschung von Martin Hairer im Bereich der Quantenfeldtheorien illustriert eindrucksvoll die Bedeutung, disziplinäre Grenzen sowohl innerhalb der Mathematik als auch in Bezug auf die Physik zu überwinden und Synergien zwischen ihren jeweiligen Gedankenwelten zu schaffen. Dies harmoniert mit dem grundlegenden Prinzip der Forschungsinitiative ESyMath in Bielefeld, die sich der systematischen Förderung solcher Synergien widmet und die Voraussetzungen für innovative Kooperationen schafft. Auf dem Weg zur Bewältigung der als Millennium-Probleme ausgezeichneten, zentralen mathematischen Herausforderungen unserer Zeit ist ein derart synergetisches und einheitliches Verständnis von Mathematik und mathematischen Strukturen in den Anwendungen von entscheidender Bedeutung.

Der Nachmittag beginnt um 16 Uhr mit dem einführenden interaktiven Vortrag von Dr. Andreas Daniel Matt, Managing Director der IMAGINARY gGmbH, zu „Experimenten mit Kunst, Künstlicher Intelligenz, Musik und dem Klimawandel“. Außerdem wird der von Kaven-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft verliehen. Die DFG vergibt den von Kaven-Preis an Mathematikerinnen und Mathematiker, die in der Europäischen Union arbeiten, für deren hervorragende wissenschaftliche Leistungen. Der von Kaven-Preis ist mit einer Summe von 10.000 Euro dotiert und soll die mathematische Forschungsarbeit der Preisträger*innen unterstützen.

Der Vortragende der Gauß-Vorlesung Martin Hairer ist Professor für Mathematik an der École polytechnique fédérale de Lausanne und am Imperial College London und arbeitet im Bereich der Stochastik. Er interessiert sich besonders für stochastische partielle Differentialgleichungen und deren Anwendungen in der mathematischen Physik. Für seine Forschung wurde er neben der Fields Medaille auch mit dem Breakthrough Preis ausgezeichnet.

Anmeldung und Informationen

Interessierte werden gebeten, sich möglichst bis zum 5. November formlos per E-Mail unter gauss@math.uni-bielefeld.de anzumelden. Die Gäste der Veranstaltung sind eingeladen, für den interaktiven Vortrag von Dr. Matt ein eigenes Tablet oder Laptop mitzubringen. Die komplette Veranstaltung ist öffentlich und kostenfrei.