Skip to main content

Experte der Phytochemie forscht in Bielefeld


Autor*in: Universität Bielefeld


Professor Dr. Bruno Lenta Ndjakau hat sich die Erforschung der afrikanischen Volksmedizin zur Aufgabe gemacht. Sein Ziel ist es, ein kamerunisches Arzneibuch für Pflanzenmedizin zu erarbeiten. Lenta ist der kamerunische Koordinator der bilateralen Graduiertenkollegs Yaoundé-Bielefeld zu Naturwirkstoffen, zur Aufgabe gemacht. Für sein wissenschaftliches Schaffen zeichnet ihn die Alexander von Humboldt-Stiftung mit dem Georg Forster-Forschungspreis aus. Der Preis ermöglicht dem Experten der Phytochemie ab März 2023 zwei Forschungsaufenthalte an der Universität Bielefeld.

Professor Bruno Lenta Ndjakou (49) promovierte 2004 in Organischer Chemie. Er war zwischen 2005 und 2006 Postdoc an der Université Louis Pasteur, Straßburg und erhielt 2006 das renommierte Marie Skłodowska-Curie European Postdoctoral Fellowship für einen Forschungsaufenthalt an der Universität Bielefeld. 2011 absolvierte er, gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds, einen dreimonatigen Forschungsaufenthalt an der Universität Bern in der Schweiz und wurde zum außerordentlichen Professor an der Universität Yaoundé I befördert. 2013 erhielt er ein Georg Forster-Stipendium für erfahrene Wissenschaftler der Alexander von Humboldt-Stiftung, das ihm mehrere Besuche an der Universität Bielefeld ermöglichte. Nach dem Stipendium erhält er nun den nach dem deutschen Naturforscher Georg Forster (1754–1794) benannten Forschungspreis.

Koordinator eines Graduiertenkollegs zur Analyse traditionell genutzter Heilpflanzen

Lenta ist seit 2016 der kamerunische Koordinator der bilateralen Yaoundé-Bielefeld Graduate School (Graduiertenkolleg Yaoundé-Bielefeld, YaBiNaPA). Professor Dr. Norbert Sewald von der Fakultät für Chemie der Universität Bielefeld ist sein deutsches Pendant. Das gemeinsame Graduiertenkolleg der Universitäten Yaoundé und Bielefeld wird seit Ende 2016 vom Akademischen Austauschdienst (DAAD) mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert und wurde kürzlich um fünf Jahre bis 2025 verlängert. YaBiNaPA steht für Natural Products with Antiparasite and Antibacterial Activity (Natürliche Produkte mit antiparasitärer und antibakterieller Wirkung). Forschende des Kollegs haben bislang mehrere Hundert traditionell genutzte Heilpflanzen gesammelt, zu Extrakten verarbeitet und systematisch auf ihre Wirkung untersucht.

Prof. Dr. Bruno Lenta Ndjakou, Bild der Person
Prof. Dr. Bruno Lenta Ndjakou von der Universität Yaoundé I in Kamerun hat einen der Georg Forster-Forschungspreise erhalten. Mit dem Preis wird sein Forschungsaufenthalt ab März 2023 an der Universität Bielefeld gefördert. Foto: Universität Yaoundé I

Seine Mission als Forscher: das wissenschaftliche Studium der kamerunischen Ethnomedizin

Professor Bruno Lenta Ndjakou ist seit 2020 Professor an der Universität Yaoundé I. „Er ist ein international anerkannter Experte in der Phytochemie, insbesondere in der Isolierung, Strukturaufklärung, Untersuchung biologischer Aktivitäten und der Formulierung pflanzlicher Arzneimittel.“, beschreibt Professor Norbert Sewald seinen Kollegen. „Professor Lenta gehört zweifelsohne zu den prominentesten Naturstoffchemikern Kameruns.“ Seine wissenschaftliche Mission ist das wissenschaftliche Studium der kamerunischen Ethnomedizin (Volksmedizin). Im Hinblick auf therapeutische Wirkziele liegt sein Fokus auf parasitären Erkrankungen – insbesondere Malaria und Leishmaniose – sowie bakteriellen Erkrankungen. Lenta und seine Kolleg*innen konnten Kontakte zu traditionellen Heilern in Kamerun knüpfen, um sie in den Prozess der Erforschung und Formulierung von Phytopharmaka, also pflanzlichen Arzneien, und der nachhaltigen Nutzung von Bioressourcen einzubinden.

Im Graduiertenkolleg YaBiNaPA konnte Lenta mehr als 25 Forscher*innen von sechs kamerunischen Universitäten und zwei Forschungsinstituten wie dem Institute of Medical Research and Medicinal Plant Study (IMPM) und dem Centre Pasteur du Cameroun zusammenbringen, die ihr Fachwissen in den Bereichen Naturstoffforschung, Phytochemie, analytische Chemie und Spektroskopie, Biochemie und Biologie einbringen. In dem Kolleg wurden bisher bereits mehr als 25 Dissertationen erstellt.



When people in Cameroon suffer from malaria and other parasitic infectious diseases, they often cannot afford treatment – the imported synthetic medicines cost a lot of money. The graduate school YaBiNaPA of Bielefeld University and the University Yaoundé I in Cameroon aims to remedy this. research_tv presents the project.

Wie lassen sich pflanzliche Wirkstoffe, die in der traditionellen, afrikanischen Medizin eingesetzt werden,
systematisch erforschen und somit nachhaltig nutzbar machen?
Dieser Frage widmet sich die deutsch-kamerunische Graduiertenschule YaBiNaPA.
Seit 2016 baut die Universität Bielefeld in der kamerunischen Hauptstadt Yaoundé die bilaterale Graduiertenschule gemeinsam mit einheimischen Wissenschaftlern auf. Partner ist die Universität Yaoundé 1, die mit über 60.000 Studierenden die größte Kameruns ist.

Das YaBiNaPA-Projekt bildet Doktoranden und Postdoktoranden aus Kamerun und weiteren afrikanischen Ländern aus; vor allem aus den Bereichen Chemie, Biologie und Pharmazeutik.
Koordiniert wird das Projekt von den Professoren Bruno Lenta und Norbert Sewald.
Beide sind sich einig, dass die Erforschung der traditionellen Pflanzenmedizin ein wichtiger Entwicklungsimpuls für die kamerunische Gesellschaft ist.
Die Lebensqualität ist eines der Ziele der Vereinten Nationen mit Blick auf nachhaltige Entwicklung.
Wenn Sie das Gesundheitssystem hier in Kamerun betrachten, werden Sie erkennen, dass in den Industrieländern produzierte synthetische Medikamente hier verfügbar sind, aber das nur zu einem internationalen Preis.
Ein großer Teil der kamerunischen Bevölkerung kann sich diese Medikamente nicht leisten,
und vertraut auf die traditionelle afrikanische Medizin, die sehr reich an pflanzenbasierter Medizin ist.

Um die Ausgangsstoffe für die Forschung an den traditionellen Medikamenten zu sammeln,
müssen die Doktoranden zunächst die Labore in der Hauptstadt verlassen und in den kamerunischen Wäldern die entsprechenden Pflanzen sammeln.
Ein erfahrener Ethnobotaniker führt die Wissenschaftler dort im dichten Unterholz zu den Fundstellen
und zeigt ihnen verschiedene Pflanzen, die von traditionellen Heilern ihren Patienten gegeben werden.
Wenn vielversprechende Funde gemacht werden, sammeln die Forscher Proben dieser Pflanzen ein, um sie dann später im Labor zu analysieren.
Für Prof. Lenta geht es bei YaBiNaPA aber nicht nur darum Wirkstoffe zu identifizieren und nutzbar zu machen, sondern auch um die Verbesserung der Doktorandenausbildung in der Hochschule.
Wir lernen sehr viel von Bielefeld, die sehr viel Erfahrung in der Ausbildung von Doktoranden hat.
Wenn wir den Methoden oder der Struktur der Bielefelder Ausbildung folgen, werden unsere Studierenden sehr kompetent sein. Denn wir bieten ihnen sehr viele praktische Qualifikationen an, die viel Zusatznutzen zu dem bringen, womit wir uns vorher befasst haben.
Wir haben sehr viele Schulungen, interessante Schulungen, und wir kopieren das Modell der Universität Bielefeld. Am Ende der Ausbildung wird jeder Student, wenn er den Methoden und dem Unterricht der Graduiertenschule folgt, fähig sein, ein Unternehmen zur Herstellung von pflanzlichen Medikamenten aufzubauen. Ich denke wir müssen der Universität Bielefeld danken für diese Art der Zusammenarbeit und die Unterstützung. Wir sind darüber sehr glücklich.

Ein Teil der Doktoranden hat auch die Möglichkeit zeitweise in Bielefeld zu arbeiten.
Dort können sie mit speziellen Geräten forschen, die derzeit in Yaoundé noch nicht zur Verfügung stehen.
Mit Hilfe dieser Technologie lässt sich die Molekülstruktur potentieller Wirkstoffe aufklären.
Es gibt viele Technologien und viele Instrumente, die in Deutschland, aber nicht in Kamerun verfügbar sind. Wenn die Studierenden aus Kamerun in Deutschland eintreffen, lernen sie viel und sie können ihr Wissen später anderen in Kamerun weitergeben. Die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen in Bielefeld und Yaoundé ist für den Vizerektor der Universität Yaoundé 1 vorbildlich.
Für die Universität Yaoundé 1 ist es eine vorbildliche Kooperation, weil sie sowohl den Aspekt Personal als auch den Aspekt Ausstattung bedient. Personal-Aspekt, weil sie uns erlaubt, nach Deutschland zu reisen um unseren Kenntnisstand zu verbessern und weil sie deutschen Arbeitsgruppen ermöglicht, hierher zu kommen um unser Forschungsfeld besser zu verstehen.
Daher ist es eine Win-win-Situation. Außerdem beschaffen wir moderne Ausrüstungen, die natürlich sehr wichtig sind für zeitgemäße Forschung.
In beiden Dimensionen haben wir eine – wie ich es nennen möchte – horizontale Zusammenarbeit.
Und nicht eine vertikale Zusammenarbeit, die heute nicht mehr zeitgemäß ist.

Gefördert wird das YaBiNaPA Projekt durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Das Förderprogramm soll dabei helfen, die von den Vereinten Nationen definierten Nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen.
Wir sind in der sehr guten Situation, dass der DAAD nicht nur Stipendien und Personen fördert, vielmehr können wir hier in Yaoundé eine umfangreiche Infrastruktur aufbauen.
Das ist für das Projekt sehr wichtig, weil es unsere Absicht ist, den Forschenden in Yaoundé, die äußerst kompetent und international angesehen sind, unabhängige Forschung zu ermöglichen. Dafür bauen wir die Infrastruktur auf.
Im Rahmen von YabiNaPa haben wir verschiedene hochmoderne Geräte für Yaoundé gekauft
und direkt nach Kamerun geschickt. Und eines dieser Geräte, das wir nutzen, ist das LC-MS.
Das ist ein spezielles Gerät, das bislang in Kamerun einmalig ist.
Und es wird benutzt, um die Verbindungen der pflanzlichen Extrakte in ihre einzelnen Komponenten zu separieren. Und mit diesem Gerät können wir identifizieren, welche Verbindung es ist und die Menge der einzelnen Verbindungen in einem Extrakt.
Damit können wir also standardisierte Extrakte mit einer definierten Qualität vorbereiten, sodass jedes Extrakt gleich ist.

Zur Untersuchung der gefährlichen Leishmaniose Erreger konnte ein besonders sicher ausgestattetes Labor eingerichtet werden.
Die Unterstützung ist großartig, wir haben moderne Geräte.
Wir bekamen einen Minus 80°C Kühlschrank. Wir haben Biosicherheitsschränke bekommen, Inkubatoren.
Das sind grundlegende Ausstattungen für Wirkstoff-Forschungen.
Einmal im Jahr treffen sich fast alle Projektbeteiligten in Yaoundé.
In Vorträgen und Diskussionsrunden tauschen sie sich über ihre neuen Erkenntnisse aus.
Wissenschaftler der Partnerunis aus Kamerun und weiteren afrikanischen Staaten nehmen auch an der Konferenz teil. Die Doktoranden präsentieren ihre Zwischenergebnisse vor dem Plenum und müssen sich teils kritischen Fragen stellen. Einzelne Heiler und Wissenschaftler zeigen auch pflanzliche Medikamente, die bereits in Kamerun genutzt werden.

Die Mitglieder des International Advisory Board geben im Rahmen des Meetings dem Projekt auch wichtige Impulse:
z.B. wie der Umgang mit den traditionellen Heilern gestaltet werden sollte.
Ich denke, es ist sehr wichtig, das Gefühl einer gleichberechtigten Partnerschaft zu vermitteln.
So bekommen die traditionellen Heiler das Gefühl, Teil eines Teams mit den Forschern zu sein.
Und wenn die Leute daran denken, wie sie selber gerne mit anderen Forschern zusammenarbeiten möchten, so sind das die gleichen Grundsätze, die in der Zusammenarbeit mit den traditionellen Heilern gelten sollten. Das bedeutet Datenaustausch, Transparenz. Es bedeutet, dass Ergebnisse den Heilern kommuniziert werden und die Entscheidungsfindung sollte so erfolgen, dass die Heiler auch Mitsprache haben. Ich denke, das ist wohl die wichtigste Sache.

Im Rahmen der jährlichen Konferenz treffen sich die YaBiNaPA Koordinatoren auch mit dem Rektorat der Universität in Yaoundé. 2019 ist die Bielefelder Prorektorin ebenfalls nach Kamerun gereist, denn für die Universität Bielefeld hat die Kooperation mit Yaoundé 1 einen hohen Stellenwert. Es ist definitiv unser wichtigstes Projekt auf dem afrikanischen Kontinent.
Wir haben viele verschiedene internationale Beziehungen zu Universitäten auf allen Kontinenten,
aber in Afrika ist das unsere stärkste Kooperation.
Das ist so, weil wir nicht nur enge Verbindungen über die Fakultät für Chemie haben, sondern auch über die Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft.
Und wir versuchen sogar, diese Beziehungen zu erweitern und andere Fakultäten einzubeziehen.
Wir sind sehr zufrieden, sodass wir versuchen eine engere Beziehung auf institutioneller Ebene zu erreichen.
Mein Besuch in der Universität Yaoundé war ein sehr wichtiger Schritt in diese Richtung.
Die Forschung im YaBiNaPA Netzwerk läuft nun auf Hochtouren, die Teilnehmer hoffen darauf, dass bald verwertbare Ergebnisse vorliegen und Heilstoffe entwickelt werden können. Langfristiges Ziel ist es ist ein afrikanisches Center of Excellence zu etablieren.
 

Der Georg Forster-Forschungspreis

Die Alexander von Humboldt-Stiftung verleiht jährlich Georg Forster-Forschungspreise an international führende Forschungspersönlichkeiten aus Schwellen- und Entwicklungsländern und würdigt deren bisheriges Gesamtschaffen. Das Preisgeld beträgt 60.000 Euro. Die Preisträger*innen werden zusätzlich eingeladen, selbst gewählte Forschungsvorhaben an einer wissenschaftlichen Einrichtung in Deutschland gemeinsam mit den dortigen Fachkolleg*innen durchzuführen.

Weitere Informationen:

  • Pressemitteilung der Alexander von Humboldt-Stiftung zur Verleihung des Georg Forster-Forschungspreises
  • Website der Yaoundé-Bielefeld Graduate School