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Von der Neurobiologie in die Schriftstellerei


Autor*in: Marle Krokowski

Schon seit ihren Kindertagen wollte Anika Beer Schriftstellerin werden. Studiert hat sie aber etwas ganz anderes, nämlich Biologie mit dem Fokus auf Neurobiologie. Das Studium an der Universität Bielefeld hat sie 2008 mit dem Bachelor of Science abgeschlossen. Nach einer kurzen Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni, hat sich die heute 39-Jährige 2010 als Schriftstellerin selbstständig gemacht. Kürzlich ist ihr neuer Roman „Succession Game“ bei Piper erschienen.

Porträtfoto von Anika Beer.
Anika Beer hat an der Universität Bielefeld Biologie studiert. Heute ist sie Schriftstellerin.

Sie sind nach dem Abitur in Oerlinghausen als Kindermädchen nach Spanien gegangen und haben anschließend Ihr Biologiestudium in Bielefeld begonnen. Was hat Sie dazu bewegt, wieder nach OWL zurückzukehren?

Nach dem Schulabschluss ging alles – gefühlt – sehr schnell. Ich hatte den Aufenthalt in Spanien recht kurzfristig geplant und durchgezogen, und es blieb das Gefühl, hier noch nicht fertig zu sein. Also bin ich „erst einmal“ zurückgekommen und letztlich irgendwie geblieben. Aber ich fühle mich in OWL, in Bielefeld, auch seit jeher sehr wohl und zuhause.

Sie wollten schon immer Schriftstellerin werden, haben aber erstmal Biologie studiert – eine ungewöhnliche Kombination. Wie kam es dazu?

Nach dem Abitur war mir klar, dass es so schnell nichts werden wird mit dem „Reich und berühmt durchs Schreiben“ – also musste ich zunächst etwas anderes machen. Ich entschied mich für Biologie, weil es aus meiner Sicht ein sehr inspirierendes Fach ist, ich mehr darüber wissen wollte und mir auch gut vorstellen konnte, in dem Bereich zu arbeiten. Außerdem hielt ich meine Geschichten zu dem Zeitpunkt noch nicht für gut genug, um sie wirklich ernsthaft bei Verlagen oder Agenturen anzubieten.

Sie sagen selbst, dass Ihr Studium an der Universität Bielefeld die Geschichten, die Sie heute schreiben, beeinflusst. Inwiefern?

Wie gesagt, die Biologie ist sehr inspirierend für mich. Viele biologische Mechanismen, Phänomene oder Verhaltenskonstrukte ergeben, wenn man sie sinnvoll weiterspinnt, ganz fantastische Settings und Elemente für komplex angelegte Geschichten. Außerdem lernt man in einem Studium der Naturwissenschaften eine besondere Art zu denken und zu beobachten. Das beeinflusst bis heute sehr meine Wahrnehmung und auch meine Art, mich in Wortbildern auszudrücken. In der naturwissenschaftlichen Forschung geht es ja darum, Hypothesen zu entwickeln, um subjektive Zusammenhänge so zu erklären, dass sie erst einmal logisch wirken, auch wenn die Experimente später etwas anderes sagen. Zusammenhänge logisch zu erklären ist natürlich fürs Schreiben auch super hilfreich. Dazu kommt der Bonus, dass ich als Autorin einfach bestimmen kann, dass die Hypothese am Ende stimmt.

Was würden Sie heutigen Studierenden raten, die einem kreativen Beruf nachgehen wollen?

Aus meiner Sicht ist das wichtigste, einen Ausgleich zu haben, zum Beispiel einen Zweitberuf, Hobbies, Kontakte – irgendwas ganz anderes als das, was ihr kreativ macht. Das Leben muss Impulse geben, sonst schläft die Kreativität irgendwann ein bisschen ein.

Man kann nicht in Bielefeld studiert haben, ohne…

Das ist einfach: auf keinen Fall ohne einmal bis nach ganz oben gefahren oder gelaufen zu sein und sich den Campus aus dem 10. Stock angeguckt zu haben.

Teile dieses Artikels wurden im NACHSCHLAG, der Zeitung des Absolventen-Netzwerks der Universität Bielefeld e.V. erstmals veröffentlicht. Er ist Teil unserer Reihe „Alumni im Interview“, die verschiedene Absolvent*innen und ihre Werdegänge vorstellt. Weitere Informationen: www.uni-bielefeld.de/alumni