Digitale Kompetenzen von Studierenden in der Lehre stärken


Autor*in: Universität Bielefeld

Lehramtsstudierende auf das digitale Unterrichten im Fach Biologie für den Schulalltag vorbereiten und Medizinstudierende mit einem digitalen System bei ihrem Lernfortschritt unterstützen: Für diese innovativen Ansätze in der Hochschullehre werden dieses Jahr zwei Projektteams der Universität Bielefeld ausgezeichnet. Sie erhalten eine Förderung von jeweils 50.000 Euro aus dem Programm digi-fellows des Landes Nordrhein-Westfalen, vergeben von der Universität. Darüber hinaus fördert die Universität Bielefeld sieben weitere zukunftsweisende Lehrprojekte mit ihrem eigenen Qualitätsfonds.


Digi-Fellowship-Projekt „Medienkompetenzen im Biologieunterricht“ in der Biologiedidaktik

Jana-Kim Buschmann und Annkathrin Wenzel aus der Fakultät für Biologie erarbeiten als digi-Fellows mit Lehramtsstudierenden Unterrichtsideen für medienkompetenzorientierten Biologieunterricht. Zum einen lernen die Studierenden in der Lehrveranstaltung mit digitalen Anwendungen, Apps und Tools für die Unterrichtsgestaltung umzugehen. Zum anderen analysieren sie, wie und welche der Anwendungen digitalen Biologieunterricht didaktisch bereichern können. „Wir reflektieren die digitalen Unterrichtsmöglichkeiten mit unseren Studierenden, prüfen diese aber auch kritisch, etwa in Hinblick auf die Auseinandersetzung mit Quellen, Datenschutz oder Cybergefahren.

Zwei Lehrende mit einem digitalen Endgerät.
Jana-Kim Buschmann (vorne) und Annkathrin Wenzel (hinten) aus der Fakultät für Biologie erarbeiten als digi-Fellows mit Lehramtsstudierenden Unterrichtsideen für medienkompetenzorientierten Biologieunterricht.

Für die Diskussionen und gemeinsame Reflexion laden wir externe Expert*innen in die Lehrveranstaltung ein“, sagt Annkathrin Wenzel. Diese Lehrveranstaltung können Lehramtsstudierende im Bereich der Biologiedidaktik entweder vor ihrem Praxissemester im Masterstudium oder vor
Beginn ihres Referendariats innerhalb ihrer Lehrer*innen-Ausbildung belegen. Ihnen werden für die Zeit der Lehrveranstaltung iPads  bereitgestellt, die auch im Gebrauch in Schulen üblich sind. „So stellen wir sicher, dass die Studierenden ihre erlernten Lern- und Lehrkompetenzen für den digitalen Biologieunterricht unmittelbar nach der Lehrveranstaltung in der Praxis anwenden und austesten können“, sagt Jana-Kim Buschmann.

Digi-Fellowship-Projekt „iLearn-iD“ in der Medizinischen Fakultät

Professor Dr. med. Hendrik Friederichs und Lennart Handke aus der Arbeitsgruppe Medical
Education der Medizinischen Fakultät OWL möchten den Lernfortschritt Bielefelder Medizin-
studierender mit einem digitalen System unterstützen. Dafür setzen sie beim sogenannten PTM-Test an. Mit dem 200 Fragen umfassenden Progress Test Medizin (PTM) überprüfen Medizinstudierende an 15 Hochschulen in Deutschland und Österreich jedes Semester den Stand ihres medizinischen Fachwissens, um sich Stück für Stück auf ihr Staatsexamen vorzubereiten. So wird es auch an der Medizinischen Fakultät in Bielefeld gehandhabt. Wegen der zentralen Auswertung der Tests erfahren Studierende erst mit einigem Zeitabstand, wie sie abschneiden.

Als digi-Fellows bauen Hendrik Friederichs und Lennart Handke eine interaktive digitale Lernplattform auf, mit der Bielefelder Medizinstudierende ihre Testergebnisse unmittelbar nach der Prüfung digital einsehen und auswerten können. Ihre Datenkompetenz können sie darüber hinaus in entsprechenden Veranstaltungen trainieren, in denen sie den analytischen Umgang mit den Ergebnissen üben. „Wir schaffen ein digitales Dashboard für unsere Studierenden, in dem sie über ihr gesamtes Medizinstudium hinweg ihren Lernfortschritt überprüfen können“, erklärt Hendrik Friederichs. Die digitale Rückmeldung erfolgt mit Visualisierungen, Graphen und Diagrammen, die denen in der medizinischen Forschung und Praxis ähneln. „Die Studierenden üben mit diesem spielerischen Umgang mit Daten auch grundsätzlich, wie sie medizinische Daten analysieren können“, sagt Lennart Handke.

Zwei Lehrende vor einer interaktiven Lernplattform
Prof. Dr. med. Hendrik Friederichs (l.) und sein Mitarbeiter Lennart Handke erarbeiten eine interaktive digitale Lernplattform.

„In den beiden ausgezeichneten Lehr- und Lernprojekten vermitteln Lehrende unseren Studierenden wichtige digitale Kompetenzen, die über das Studium hinausgehen. Dieser Transfergedanke bereichert Studium und Lehre an unserer Universität“, sagt die Prorektorin für Studium und Lehre Professorin Dr. Birgit Lütje-Klose zu den zwei geförderten digi-Fellowships. Bereits seit 2016 vergeben das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stifterverband die „Fellowships für Innovationen in der digitalen Hochschullehre“ (digi-fellows), um Projekte mit innovativen Ansätzen in der digitalen Hochschullehre individuell zu fördern. Seit 2021 erfolgt die Auswahl der digi-fellowships durch die jeweiligen Hochschulstandorte.

Ergänzend zu den zwei digi-Fellowships fördert die Universität Bielefeld sieben weitere innovative Lehrprojekte mit jeweils bis zu 5000 Euro pro Semester. Fünf dieser Projekte werden innerhalb des Qualitätsfonds für die Lehre gefördert. Der Fokus liegt auf Vorhaben zur Initiierung, Anleitung und didaktischen Einbettung von Selbstlernphasen. Im Rahmen dieses etablierten Bielefelder Fonds wurden ergänzend durch Mittel des Projektes DaLis@OWL zwei weitere Lehrprojekte zur Förderung der Data Literacy Skills ausgewählt.

Der 2017 ins Leben gerufene „Qualitätsfonds für die Lehre“ an der Universität Bielefeld stellt jährlich Mittel zur Förderung von Lehrkonzepten bereit. Lehrende können zu jährlich wechselnden Schwerpunktthemen Ideenskizzen einreichen, über die Vergabe der Mittel entscheidet das Rektorat.

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