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61 Nachwuchswissenschaftler*innen aus dem Corona-Nachwuchsfonds gefördert


Autor*in: Universität Bielefeld

Der Bielefelder Nachwuchsfonds unterstützt in seiner Corona-Sonderförderlinie 61 Nachwuchswissenschaftler*innen der Universität Bielefeld finanziell. „Wir möchten den Druck und die Unsicherheit in dieser Ausnahmesituation zumindest ein Stück weit reduzieren, indem wir konkrete Hilfen für coronabedingte Ausfälle anbieten“, erklärt Professorin Dr. Marie I. Kaiser, die Prorektorin für Personalentwicklung und Gleichstellung. Mehr als 370.000 Euro wurden Ende Juni 2021 dafür bewilligt.

Die Kosten für die Förderung werden zur Hälfte vom Rektorat und zur Hälfte von den Fakultäten übernommen. „Das ist ein großartiges Ergebnis für die gesamte Organisation, die im Sinne der Menschen sehr gut zusammengearbeitet hat“, betont Kaiser. „Mein Dank gilt insbesondere den Fakultäten.“

Marie I. Kaiser, Prorektorin für Personalentwicklung und Gleichstellung, hat den Corona-Nachwuchsfonds initiiert. Foto: Universität Bielefeld/J. Dieckmann

Für die Forschenden, die coronabedingt ihre Forschungs- bzw. Qualifikationsvorhaben nicht wie geplant durchführen konnten, wurden drei verschiedene Maßnahmen (Reisemittel, Sachmittel, Stipendium) ausgeschrieben. Der Antrag konnte niedrigschwellig gestellt werden, um möglichst vielen Betroffenen Hilfe anbieten zu können und nicht durch ein kompliziertes Antragsverfahren abzuschrecken. Ein kompakter Antrag und eine Bestätigung des betreuenden Doktorvaters oder der Doktormutter genügten.

Dr. Milan Dransmann, Dr. Rebecca Nagel und Tabea Weber und sind drei der Stipendiat*innen:

Sportstudien mit Gefangenen
Dr. Milan Dransmann ist Postdoktorand in der Sportwissenschaft und analysiert in seinem Projekt, was Sport für Gefangene in deutschen Justizvollzugsanstalten bedeutet und was er bewirkt. Die Erhebungen konnte er aufgrund der Corona-bedingten Einschränkungen in den letzten Monaten nur zum Teil durchführen. Hinzu kam, dass er auch seine beiden Kinder (drei und fünf Jahre alt) während des Lockdowns betreuen musste. Mit der Förderung durch den Bielefelder Nachwuchsfonds in Höhe von knapp 5.000 Euro soll eine wissenschaftliche Hilfskraft für ein Jahr mit sechs Wochenstunden finanziert werden, um das geplante Training in den Justizvollzugsanstalten durchführen zu können. „So bekomme ich Unterstützung für die Trainings, für die Testungen und Befragungen vor Ort. Ich muss nicht immer selbst vor Ort sein und bin entsprechend zeitlich flexibler. So kann ich mich unter anderem mehr auf die Auswertungen und Veröffentlichungen fokussieren. Auch kann ich die frühen Abendstunden, in denen zumeist das Training stattfindet, für uns als Familie nutzen.“

Postdoktorand Milan Dransmann kann mit der Förderung seine Sportstudien mit Gefangenen fortführen und gleichzeitig mehr bei der Familie sein. Foto: Sarah Jonek

Mit dem Schiff aus der Antarktis zurückgesegelt
Dr. Rebecca Nagel ist Postdoktorandin in der Biologie und war im Feldeinsatz in der Antarktis-Region, als die Pandemie begann, und hatte aufgrund der Einstellung des Flugverkehrs und der Grenzschließung erhebliche Probleme, wieder zurückzukommen. Sie ist schließlich per Schiff aus der Antarktis-Region zurück gesegelt, elf Wochen lang, von März bis Juni 2020. Darüber hinaus hatte sie mit dem verzögerten Eingang ihrer Proben durch beschränkte Transportmöglichkeiten, sowie geschlossene Labore zu kämpfen. Sie erhält ein Stipendium über sechs mal 2.000 Euro. „Damit werde ich die Möglichkeit haben, die restliche Proben, die ich zusammen mit zwei Feldassistenten von antarktischen Seebären gesammelt habe, analysieren und auswerten zu können. Insbesondere habe ich dank des Stipendiums genügend Zeit, ein Kollaborationsprojekt mit dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin abzuschließen. Zusammen arbeiten wir daran, das Immunprofil des Seebären zu erstellen. Die Seebär-Population ist in den vergangenen 30 Jahren deutlich kleiner geworden und kämpft immer häufiger mit Nahrungsmittelknappheit. Das Projekt wird uns Auskunft über den Einfluss von zum Beispiel Populationsdichte und Ernährungszustand auf die Erkrankungs- und Infektionsrate innerhalb der Population geben“, so Nagel.

Postdoktorandin Rebecca Nagel musste in der Corona-Zeit zunächst aus der Antarktis zurückkehren, so wie ihre Proben. Jetzt möchte sie mit dem Geld ihr Forschungsprojekt an Seebären abschließen. Foto: Karla Fritze

Promovieren mit drei kleinen Kindern
Tabea Weber schreibt ihre Dissertation an der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft im Homeoffice zwischen Teilzeitstelle und Kindern. Vom ersten Lockdown im März 2020 bis Ende Mai 2021 betreute sie abwechselnd mit ihrem Mann gleichzeitig ihre zweijährige Tochter und das Homeschooling ihrer siebenjährigen Zwillinge. „Die meiste Zeit beschäftigte ich entweder meine jüngste Tochter, begleitete das Homeschooling der Zwillinge oder tat beides gleichzeitig. Besonders schriftliche Arbeit, die mehr Konzentration und Kreativität als kurzzeitige Videokonferenzen oder Administratives erforderte, konnte nicht einfach nebenherlaufen und musste in den sehr frühen Morgen- oder den späten Abendstunden stattfinden. Ich war sehr froh über das Privileg, in dieser herausfordernden Zeit lange im Homeoffice sein zu dürfen, doch das alles hat den Zeitplan für die Dissertation natürlich gehörig durcheinandergewirbelt und war auch finanziell eine Herausforderung.“ Ein Lehrauftrag der Universität endete im Corona-Lockdown, eine Drittmittelprojektstelle an einer anderen Hochschule läuft am Ende dieses Sommers aus. Tabea Weber erhält zum Abschluss ihrer Promotion ein Stipendium über viermal 1.250 Euro. „Das hilft mir, trotz immenser Zeitverluste mein Projekt abschließen zu können. Ich habe nicht mit dem Geld gerechnet und bin sehr dankbar für diese Unterstützung.“

Tabea Weber möchte mit der Förderung ihre Promotion abschließen, die sich durch den Lockdown und das Homeschooling der drei Kinder verzögert hat. Foto: Privat