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Gleichstellung: den Kulturwandel gemeinsam gestalten


Autor*in: Universität Bielefeld

Die Universität Bielefeld hat für ihr Gleichstellungszukunftskonzept im Professorinnenprogramm III des Bundes und der Länder das Prädikat „Gleichstellung Ausgezeichnet“ erhalten. Sie ist damit bundesweit eine von zehn Hochschulen mit der Spitzenbewertung und kann für den Zeitraum von 2018 bis 2022 eine Fördersumme von bis zu 3,3 Millionen Euro erhalten.

Interview mit Professor Dr. Martin Egelhaaf, Prorektor für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Gleichstellung, und der Gleichstellungsbeauftragten Dr. Uschi Baaken anlässlich des Erfolgs im Professorinnenprogramm.

Herr Egelhaaf, was bedeutet die Auszeichnung für die Universität Bielefeld?

Sie ist eine Bestätigung für unsere Strategien sowie die Maßnahmen der vergangenen Jahre. Beides basiert auf einem vielfältigen Engagement an den unterschiedlichsten Stellen in unserer Universität. Ich bin allen, die daran mitgewirkt haben, sehr dankbar. Es war nicht selbstverständlich, dass wir uns nach den Erfolgen in den beiden ersten Runden des Programms 2008 und 2013 auch diesmal wieder in dieser Form behaupten konnten.

Frau Baaken, für den Antrag in dem Bund-Länder-Programm musste die Universität ein Gleichstellungszukunftskonzept einreichen. Können Sie kurz die zentralen Punkte des Konzepts benennen?

Das Konzept hat verschiedene Bausteine. Einerseits konnten wir in einer Situationsanalyse beschreiben, dass sich die Universität Bielefeld bei der Gleichstellung insgesamt auf einem sehr guten Weg befindet. Wir haben dargelegt, wie umfangreich Gleichstellung strukturell verankert ist und dass ein sehr ausgewogenes Maßnahmenportfolio existiert. Und: Wir konnten positive Trends bei der Entwicklung der Frauenanteile vorweisen.

Der zweite Baustein ist die Zukunftsstrategie, mit der die Universität auf einer übergeordneten Ebene einen umfassenden Kulturwandel hin zu einer geschlechtergerechten Wissenschafts- und Universitätskultur verfolgt, in der die gleichberechtigte Mitwirkung aller Menschen selbstverständlich ist. Dies schlägt sich sowohl quantitativ – nämlich in Frauen-/ Männeranteilen –, als auch qualitativ – nämlich in der geschlechtergerechten Gestaltung von organisationalen Strukturen und Prozessen – nieder.

Unser Ziel: Wir wollen diesen Kulturwandel gemeinsam mit möglichst allen Universitätsangehörigen gestalten.

Gleichstellungsbeauftragte Dr. Uschi Baaken.
Foto: Universität Bielefeld

Herr Egelhaaf, welche Bedeutung hat eine strategische Gleichstellungspolitik für die Universität Bielefeld?

Gleichstellung in den Bereichen Studium, Wissenschaft, Technik und Verwaltung ist seit Jahren ein zentrales strategisches Ziel der Universität Bielefeld. Wissenschaftliche Erkenntnis profitiert von unterschiedlichen Perspektiven. Um hier die besten Ergebnisse zu erzielen, müssen wir das volle gesellschaftliche Potenzial sicherstellen – dabei darf das Geschlecht keine Rolle spielen. Darüber hinaus ist die Universität Bielefeld von der Wichtigkeit und der gesellschaftlichen Bedeutung des gesetzlichen Gleichstellungsauftrags überzeugt.

Frau Baaken, wie steht die Universität Bielefeld in Gleichstellungsfragen bundesweit da?

In den letzten zehn Jahren sind wir zunehmend mit bundesweiten wettbewerblichen Begutachtungen der Gleichstellungssituation und -politik der Hochschulen konfrontiert. Hier hat die Universität Bielefeld aufgrund ihrer vielfältigen Aktivitäten von Beginn an sehr gut abgeschnitten. So wurden wir nicht nur in allen drei Runden des Professorinnenprogramms mit Spitzenbewertungen prämiert, sondern auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bei der Umsetzung der forschungsorientierten Gleichstellungsstandards als „besonders erfolgreich“ eingestuft – wir haben dreimal in Folge die höchste Qualitätsstufe erreicht. Weitere Beispiele sind das Total-Equality-Prädikat, das die Universität seit 2008 regelmäßig erhielt, zuletzt im Jahr 2017 mit dem Zusatz „Diversity“. Seit 2006 ist die Universität Bielefeld darüber hinaus durchgängig als familienfreundliche Hochschule zertifiziert.

Herr Egelhaaf, worauf beruhen diese Erfolge?

Fundament dieser Erfolge ist die umfassende Implementierung von Gleichstellung in den Strukturen und Prozessen der Universität – und das bereits seit 30 Jahren. Wir haben darüber hinaus Strukturen und Maßnahmen zum Abbau von sexualisierter Diskriminierung und Gewalt etabliert. Auch die Entwicklung einer gendersensiblen Diversitätspolitik ist sicher ein Markenzeichen.

Prof. Dr. Martin Egelhaaf, Prorektor für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Gleichstellung.
Foto: Universität Bielefeld

Herr Egelhaaf, welche Rolle spielen Gleichstellungsfragen bei der Gründung der Medizinischen Fakultät? Gibt es bereits Ziele?

Die Universität Bielefeld verfolgt das Ziel, Gleichstellung in der Medizinischen Fakultät von Beginn an vorbildlich und querschnittlich zu implementieren. Unser Anspruch ist es, damit langfristig einen Beitrag zur Weiterentwicklung einer geschlechtergerechten Universitäts- und Wissenschaftskultur in der Medizin zu leisten. Die zentralen Handlungsfelder sind dabei insbesondere eine – verglichen mit anderen Medizinstandorten – weit überdurchschnittliche Professorinnenquote, eine geschlechtergerechte Nachwuchsförderung und Gleichstellungsaktivitäten in den kooperierenden Kliniken. 

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