Dr. Annika Klanke, Literaturwissenschaftlerin und Linguistin an der Universität Bielefeld, erhält neben Professorin Dr. Ulrike Krause, Politikwissenschaftlerin an der Universität Münster, den diesjährigen Rita Süssmuth-Forschungspreis. Die Auszeichnung würdigt exzellente Forschung zu Geschlechteraspekten, die das Verständnis von gesellschaftlichen Zusammenhängen auch über die Fachdisziplin hinaus ermöglichen. Wissenschaftsministerin Ina Brandes zeichnete die zwei Wissenschaftlerinnen am Montag, 22. Juni, in Düsseldorf aus.
Dr. Annika Klanke von der Universität Bielefeld hat die Fachjury in der Kategorie „Impulse“ überzeugt. Ihre Arbeit zum Thema „Das Private ist nach wie vor politisch? Erfahrung und Geschlecht in der feministischen Essayistik der Gegenwart“ untersucht ein aktuell vielgelesenes Genre, in dem persönliche Erfahrung dargestellt wird, um gesellschaftliche Entwicklungen zu deuten. In Essays werden wissenschaftliche oder kulturelle Themen selbstreflektierend erörtert und sollen vorwiegend Denkanstöße statt abschließender Antworten liefern. Dabei zeigt Dr. Annika Klanke, wie sich die Bedeutung des feministischen Slogans „Das Private ist politisch“ seit den 1970er Jahren bis in die Gegenwart verschoben hat.
Dr. Annika Klanke dazu: „Diese Auszeichnung zu erhalten, ist eine große Ehre. In meiner Forschung interessiere ich mich besonders dafür, was literarische Texte über die Widersprüche ihrer Zeit verraten. Mithilfe des Preisgelds möchte ich gern eine internationale Sommerschule zum Thema meines neuen Forschungsprojekts planen. Darin untersuche ich, wie Literatur vom 16. bis ins 19. Jahrhundert von den Widersprüchen des Füreinander-Sorgens erzählt. Dass dieser Preis den Namen von Rita Süssmuth trägt, die der Geschlechterforschung in Deutschland den Weg bereitet hat, bedeutet mir viel.“
Sie forscht und lehrt seit 2021 am Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung (IZG) der Universität Bielefeld. Im Graduiertenkolleg „Geschlecht als Erfahrung“ promovierte sie zum Thema „Feministische Essayistik der Gegenwart“. Grundlage dieser Untersuchung ist ein breites Korpus deutschsprachiger Essays oder Non-Fiction – von populären Bestsellern bis zu literarisch anspruchsvollen Texten –, die seit den 1990er Jahren erschienen sind. Annika Klanke bietet eine umfassende Untersuchung der Darstellungsform aus feministischer Sicht und beleuchtet die Verflechtungen von globalen literarischen Entwicklungen und politischen Bewegungen. Zuvor hat sie an der Humboldt-Universität Berlin, der Universität Bremen und der Cornell University in Ithaca (NY/USA) studiert.
Professorin Dr. Ulrike Krause von der Universität Münster erhielt die Auszeichnung in der Kategorie „Forschung plus“. Sie widmet sich in ihrer Arbeit seit über 15 Jahren der Bedeutung von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen im Kontext von Flucht, Konflikt, Gewalt und humanitärer Politik.
Wissenschaftsministerin Ina Brandes hielt bei der Auszeichnung der zwei Forscherinnen auch eine Laudatio auf das Lebenswerk der im Februar dieses Jahres verstorbenen Professorin Dr. Rita Süssmuth.
Weitere Informationen zum Preis
Die Anträge wurden von einer Jury von Expert*innen bewertet, deren Mitglieder ihren Hochschulstandort außerhalb Nordrhein-Westfalens haben. Die Preisgelder in Höhe von 35.000 und 70.000 Euro werden zur Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeit eingesetzt, wobei die Verwendung einen klaren Bezug zum Thema Nachwuchsförderung aufweisen muss. Erstmals wurde der Rita Süssmuth-Forschungspreis 2019 ausgeschrieben und wird alle zwei Jahre durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft verliehen.
Weitere Informationen:
Zur Pressemitteilung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft in NRW (22.06.2026)
Bereits 2024 wurde mit Gesundheitswissenschaftlerin Professorin Dr. Céline Miani eine Wissenschaftlerin der Universität Bielefeld mit dem Rita Süssmuth-Forschungspreis ausgezeichnet.
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