Statement von Professorin Dr. Angelika Epple, Rektorin der Universität Bielefeld, zu Vorfällen bei der Veranstaltung „Akademischer Antisemitismus“ am 8. Dezember:
„Am 8. Dezember fand in einem Hörsaal der Universität Bielefeld eine Veranstaltung mit dem Titel „Akademischer Antisemitismus. Vortrag & Diskussion mit Andreas Stahl“ statt, veranstaltet durch eine studentische Hochschulgruppe. Leider wurde diese Veranstaltung vorsätzlich gestört. Erst nachdem der Sicherheitsdienst Platzverweise ausgesprochen und die Polizei gerufen hat, konnte die Veranstaltung zu Ende geführt werden.
Ich kann nicht beurteilen, inwieweit es bei der Veranstaltung zu strafrechtlich relevanten antisemitischen Äußerungen und Handlungen kam – dies zu klären ist Aufgabe der Polizei. Wir müssen jedoch auch in Bielefeld zur Kenntnis nehmen, dass sich die Sicherheitslage von Jüd*innen in Deutschland in den letzten zwei Jahren dramatisch verschlechtert hat. Das dürfen wir nicht akzeptieren!
Gruppenbezogener Rassismus oder Antisemitismus kennen viele vermeidliche Rechtfertigungen. Eine davon behauptet, es handele sich um einen kritischen oder antikolonialen Diskurs. Auch deshalb möchte ich betonen: Die pauschalisierende Abwertung oder die antisemitische Anfeindung von jüdischen Menschen ist von zulässiger Kritik beispielsweise gegenüber dem Handeln der israelischen Regierung zu unterscheiden.
Ich sage daher ganz klar: Jeglicher Antisemitismus darf an unserer Universität keinen Platz haben.
Wer in solch massiver Form wie am Montag vorsätzlich Veranstaltungen stört, der sorgt für Ängste bei Veranstalter*innen und Gästen. Dies ist nicht akzeptabel und wird von der Universitätsleitung auch nicht geduldet. Wir prüfen in jedem Fall mögliche Konsequenzen.
Gesellschaftliche Debatten, auch kontroverse, sollen und müssen an unserer Universität verhandelt werden. Diskutieren und streiten Sie. Artikulieren Sie im gesetzten Rahmen Ihre Meinung. Akzeptieren Sie aber auch andere Meinungen und halten Sie sich an die Regeln des respektvollen Miteinanders.“