In diesem Wintersemester haben an der Medizinischen Fakultät OWL erstmals 300 Studienanfänger*innen ihr Medizin-Studium in Bielefeld aufgenommen. Das ist möglich, weil mit dem Lehrgebäude R5 und dem Anatomiegebäude R6 zwei weitere Gebäude auf dem Campus Süd der Universität Bielefeld zum Semesterstart fertiggestellt wurden und bereits in Betrieb sind. Rektorin Professorin Dr. Angelika Epple und Kanzler Dr. Stephan Becker haben diesen weiteren Meilenstein beim Aufbau der Medizinischen Fakultät OWL mit Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, und weiteren Gästen gefeiert.
Rektorin Professorin Dr. Angelika Epple und Kanzler Dr. Stephan Becker begrüßten zur Einweihung neben NRW-Ministerin Ina Brandes rund 100 Gäste aus Universität, Partner*innen aus Bau und Planung sowie aus der Politik.
Wissenschaftsministerin Ina Brandes: „Mit 300 Studienplätzen für Erstsemester gehört die Universität Bielefeld jetzt zu den großen Standorten der Hochschulmedizin in Nordrhein-Westfalen. Mit den Neubauten auf dem Campus der Universität Bielefeld wurden hervorragende Bedingungen für eine moderne und praxisnahe Ausbildung der Ärztinnen und Ärzte von morgen geschaffen. Das ist eine sehr gute Nachricht für die vielen jungen Menschen, die in unserem Land Humanmedizin studieren wollen. Und es ist eine sehr gute Nachricht für die Menschen in Nordrhein-Westfalen, die eine exzellente medizinische Versorgung – auch in ländlichen Regionen – erwarten. Die Medizinische Fakultät OWL ist ein Gewinn für die Region und stärkt Nordrhein-Westfalen als Wissenschaftsstandort.“
Professorin Dr. Angelika Epple, Rektorin der Universität Bielefeld: „Wir haben es in Rekordzeit geschafft, ein Medizinstudium an der Universität Bielefeld für nun 300 Studienanfänger*innen pro Jahr zu ermöglichen. Damit haben wir die mit dem Land vereinbarte finale Aufnahmekapazität von Medizinstudierenden erreicht. Ein fantastischer Erfolg von Universität und Land, den wir gemeinsam erreicht haben! Wir übernehmen zusammen Verantwortung, um die medizinische Versorgung in der Region auch in Zukunft zu sichern und den Ärzt*innenmangel zu mindern, indem wir hier in Bielefeld dringend benötigte Mediziner*innen ausbilden. Der Aufbau der Medizinischen Fakultät OWL war, ist und bleibt eine riesige Aufgabe. Auf diesem Weg feiern wir heute zwei wichtige Etappenziele mit der Fertigstellung von R5 und R6.“
Dr. Stephan Becker, Kanzler der Universität Bielefeld: „Ein Medizinstudium ist undenkbar ohne die entsprechende Gebäudeinfrastruktur – es braucht Labore, Büros und Lehrflächen. Dass wir hier in Bielefeld in so kurzer Zeit so viel neue Nutzfläche für die wachsende Medizinische Fakultät OWL schaffen konnten, verdanken wir der Möglichkeit, als Universität selbst Verantwortung für den Bau zu übernehmen. Das ist eine große Herausforderung, aber zugleich eine einmalige Chance. Ich bedanke mich bei der Landesregierung für das entgegengebrachte Vertrauen sowie bei unserem Team und unseren Partnerinnen und Partnern im Bau für diese enorme Leistung!“
Kleiner Recap: Die Uni hatte das Gebäude R1 gekauft.
R2, R4 selber gebaut und jetzt erstrahlen hier R5 und R6 in vollem Glanz. Also ein kleines bisschen werden Sachen fertiggestellt.
Das sieht man. Aber drinnen, da geht es schon los mit dem Betrieb.
Wir sind ja gerade schon so ein bisschen durchs Gebäude gelaufen. Hier sind schon die ein oder anderen Seminarveranstaltungen. Was passiert denn hier drin?
Hier findet heute die erste Laborveranstaltung der Medizinischen Fakultät statt. Die Studierenden sind gerade oben und kommen gleich hier runter. Was ist denn an dem Gebäude besonders?
Gibt es etwas, worauf ihr so stolz seid, dass es das kann?
Das Besondere an diesem Gebäude sind die vielen verschiedenen Nutzungsbereiche, die man hier vereint hat. Wir haben ja auch im Erdgeschoss eine Gastronomie.
Wir haben im ersten Obergeschoss das Skills Lab, wo die Studierenden viel untereinander auch Trainings durchführen.
Wir haben im zweiten Obergeschoss die Fakultät Biologie, die hier ihre Forschungslabore, Forschungsbüros, hat. Das dritte Obergeschoss ist eine reine Laborebene.
Da sind 3/4 von für die Medizin und ungefähr 1/4 für die Biologen. Und im vierten Obergeschoss eine komplette Seminarraumebene.
Gibt es etwas, worauf Ihr so stolz seid, dass es das kann oder dass das erreicht hat? Also wir haben viele Aspekte der Nachhaltigkeit hier eingebracht.
Wir haben zum einen eine begrünte Fassade auf der Südseite, die auch durch eine Regenwasserzisterne bewässert wird.
Also wir sammeln das Regenwasser, was auf dem Dach anfällt, in einer Zisterne hier im Gebäude. Wir haben ein begrüntes Dach. Jetzt hier auf dem Dach ist doch irgendwie einiges verbaut.
Ich meine, klar, Photovoltaik erkenne ich so weit.
Aber was, was sind zum Beispiel diese schwarzen Apparate? Ja, das ist die Sonderabluft, die wir hier aufs Dach führen.
Im Grunde ist das für die Digestorien, für die Sicherheitsschränke, Chemikalienschränke, alles, was da an Abluft, chemikalienhaltigen Abluft, anfällt, wird hier über das Dach dann ausgepustet.
Okay, das heißt, man braucht einfach noch mal ein bisschen mehr als in einem Bürogebäude.
Genau das ist tatsächlich jetzt die Spezialität dieses Gebäudes dadurch, dass das so laborlastig ist.
Wir haben jetzt ganz viel gelernt, was die Herausforderungen sind bei so einem Gebäudebau. Vor allen Dingen, wenn die Bedarfe so unterschiedlich sind.
Hier im R6, da ist noch stärker die Medizinische Fakultät zu Hause. Da gibt es auch sehr aufregende Bedarfe, glaube ich.
Und vor allen Dingen gibt es dort Räume, in die darf man eigentlich nicht öffentlich rein. Und das liebt der Baureporter natürlich besonders.
Herr Spittau, aber wo befinden wir uns denn jetzt hier gerade? Wir befinden uns gerade Präpariersaal, im neuen Präpariersaal. Und was genau wird hier präpariert? Ich meine, ich habe ein Gefühl.
Ja, hier wird unterrichtet am echten menschlichen Körper.
Und wir unterrichten die Studierenden der Medizin, wie der Körper aufgebaut ist und wie er funktioniert. Wie kann ich mir das in der Praxis vorstellen?
Die Tische, die man hier sieht, die werden bestückt mit Körperspenden.
Und dann arbeiten die Studierenden über mehrere Semester an dem Präparat und versuchen Anatomie tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen.
Wie kann ich mir dann so den ganzen Prozess vorstellen? Also angenommen, hier gibt es eine Unterrichtseinheit. Es gibt ein ganz klares Skript, es gibt Präparationstage.
Die haben alle ihre Ziele und dann haben wir so Kurstage, die sind so zwei bis drei Unterrichtseinheiten am Stück und dann ist man hier in Kleingruppen und arbeitet am Präparat.
Man arbeitet nicht die ganze Zeit mit dem Skalpell, sondern man bespricht auch in der Gruppe viel, demonstriert am Präparat,
wechselt man zu einem Modell beispielsweise oder integriert radiologisches Bildmaterial in den Unterricht, um das ein bisschen klinischer zu gestalten.
Was bietet das Gebäude noch an Ausstattung ganz konkret für die Medizin?
Das Gebäude bietet einen Hörsaal, der mit knapp über 300 Plätzen eben auch die Semesterstärke fassen kann.
Der ist sehr modern, ein bisschen angelehnt an so alte klassische Anatomiehörsäle, aber eben auch für alle anderen Fachbereiche nutzbar.
Wir haben hier viele Seminarräume. Wir haben einen Histologiesaal, wo wir ebenfalls auch mit der halben Semesterstärke zeitgleich mikroskopieren und Mikroskopieinhalte unterrichten können.
Wir haben verschiedenste Praktikumsräume für die Physik, für die Physiologie, zahlreiche Seminarräume und dann haben wir natürlich im Gebäude auch die sogenannte Prosektur,
also der Bereich, der von meinen Kolleg*innen genutzt wird, um die Körperspenden, die hier zu uns kommen, auch vorzubereiten, dass wir sie im Kurs nutzen können und eben
alles da umzusetzen, was notwendig ist, dass die Studierenden damit arbeiten können. Und dann geht es jetzt bald los.
Wir sind auch sehr happy und es war zwar zäh und es gab natürlich einige Verzögerungen, aber ich bin sehr zufrieden auch mit allen Kolleg*innen, die da beteiligt waren, von der Universität, aus meiner Arbeitsgruppe.
Es hat sehr viel Spaß gemacht und wir haben, glaube ich, ein tolles Ergebnis erzielt. Viel Spaß damit. Dankeschön.
Ihr seht es, der Campus Süd, er formt sich und tatsächlich wird die Medizinische Fakultät alleine für 300 Studierende pro Jahr Platz haben.
Also der Bedarf ist auf jeden Fall da. Man sieht es schon. Ich hoffe euch hat der kleine Einblick hier gefallen. Wir sehen uns dann in der nächsten Folge vom Baureporter.
Macht’s gut bis dahin und tschüss.
Und kleines P.S. noch die Uni baut auch schon an R7.
Die Gebäude R5 und R6
Beide Gebäude befinden sich in direkter Nachbarschaft südlich der Straße Konsequenz auf dem Campus Süd der Universität Bielefeld. Die Gebäude wurden von 2022 bis 2026 gebaut und sind zum Wintersemester 2026/2027 in den Betrieb gegangen. Bauherrin ist jeweils die Universität Bielefeld.
R5 bietet auf insgesamt rund 5.700 Quadratmetern in fünf Stockwerken Platz für Lehre der Medizinischen Fakultät OWL und auch der Fakultät für Biologie. Im Skills Lab lernen und trainieren Medizinstudierende praktisch ihre ärztlichen Fertigkeiten. Hinzu kommen Praktikums- und Seminarräume für beide Fakultäten. Zukünftig ist auch ein gastronomisches Angebot im Erdgeschoss geplant. Das Gebäude ist ausgestattet mit einer Dachbegrünung und Begrünung einzelner Fassadenflächen sowie einer Photovoltaik-Anlage. Die Firma Telluride wurde mit der Generalplanung beauftragt. Die Baukosten betrugen rund 67 Millionen Euro.
R6 ist das Anatomiegebäude der Medizinischen Fakultät OWL. Auf rund 2.800 Quadratmetern gibt es einen Hörsaal für 300 Personen, Praktikums- und Seminarräume sowie die Prosektur, Präparation und Histologie für die Ausbildung der Mediziner*innen. Das Gebäude ist etwa hälftig in öffentliche und zutrittsbeschränkte Bereiche getrennt. Das Gebäude ist ausgestattet mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und einer Photovoltaik-Anlage. Die Firma agn wurde mit der Generalplanung beauftragt. Die Baukosten betrugen rund 54 Millionen Euro.
Medizinische Fakultät OWL und Campus Süd weiterhin im Aufbau
Im Wintersemester 2021/22 haben die ersten 60 Studierenden ihr Medizinstudium an der Universität Bielefeld aufgenommen. Die Zahl der Studienanfänger*innen konnte im Wintersemester 2025/2026 auf 120 erhöht werden. Seit dem aktuellen Wintersemester 2026/2027 können 300 neue Medizinstudierende pro Jahr aufgenommen werden.
Aktuell wird auf dem Campus Süd auch das Gebäude R7 für die Fakultät für Biologie und die Medizinische Fakultät gebaut. Mit dem Gebäude R8 ist ein weiteres zentrales Forschungsgebäude in Planung. Insgesamt hat die Universität Bielefeld über mehrere Um- und Neubauten bisher rund 20.000 Quadratmeter neue Nutzfläche auf dem Campus Süd realisiert. Nach Fertigstellung von R7 und R8 werden es voraussichtlich rund 30.000 Quadratmeter sein.










