Der 21. September ist dem Frieden gewidmet: Die Vereinten Nationen rufen den internationalen Tag seit 1981 aus. Wie kann Frieden im Kleinen oder Alltäglichen praktiziert werden, wenn Krisen und Kriege allgegenwärtig sind? Drei Fragen dazu an Dr. Nelson Camilo Forero Medina, der das Forschungsprojekt „Peace and Mobilities“ an der Universität Bielefeld koordiniert. Das internationale Forschungsteam untersucht, wie Menschen in erzwungener Migration Frieden in ihrem Alltag schaffen und erleben.
Was können Sie aus Ihrem laufenden Forschungsprojekt dazu sagen, wie wir zu Frieden kommen?
Frieden lässt sich – anders als Gewalt – erst einmal gar nicht so leicht erkennen. Frieden zeigt sich am ehesten in Prozessen, also wenn wir aktiv auf ihn hinarbeiten. In unserer internationalen Feldforschung arbeiten wir mittlerweile mit einer pluralistischen Begriffsdefinition: Wir sehen Frieden, wenn er sich in konkreten Aktivitäten und in der alltäglichen Praxis zeigt. Und Frieden kann existieren neben Gewalt und Krieg.
Wie arbeiten Sie konkret in Ihrem Forschungsprojekt?
Wir arbeiten weltweit zusammen mit Gemeinden und Initiativen, die sich für Frieden einsetzen. In Deutschland haben wir mit Vereinen kolumbianischer, ukrainischer und venezolanischer Migrantinnen Filmfestivals, Beratungsworkshops zum deutschen Migrationssystem und eine Fußball-Sommerschule realisiert. In Kolumbien haben wir ein Festival begleitet, das von Vertriebenen organisiert wurde und ermöglicht, dass sich ehemalige Kämpferinnen verschiedener Armeen versöhnen. Ein Teil der Forschung befasst sich damit, wie Menschen in diesen Initiativen Frieden wahrnehmen und sichtbar machen. Dabei sind etwa in Italien drei Wandgemälde von Menschen entstanden, die sich im Friedensaufbau engagieren. Wir sehen auch im internationalen Vergleich, dass Kultur- und Sportangebote die wesentlichen Triebkräfte sind, um Frieden zu schaffen und aufrechtzuerhalten.
Was leiten Sie aus Ihrer Forschung für die internationale Friedensarbeit ab?
Frieden nähern wir uns in Prozessen an, die wir als Forscher*innen dann untersuchen können. Das heißt für die Friedensarbeit, dass sie stets gemeinsam mit Gemeinschaften und im Rahmen einer langfristigen Arbeit entwickelt werden muss. Das heißt aber auch: Friedensforschung wird komplexer und erfordert deutlich mehr Zeit für die Umsetzung.



