Der Lehrkräftemangel an Schulen ist groß, besonders an Grundschulen. Eine Auswirkung: Angehende Lehrkräfte sind bereits während des Studiums als Vertretungslehrkräfte gefragt. Die Universität Bielefeld reagiert darauf mit der Weiterentwicklung des Curriculums für die Lehramtsstudierenden für Grundschulen und Grundschulen mit Integrierter Sonderpädagogik. Professorin Dr. Susanne Miller und Dr. Mona Stets von der Fakultät für Erziehungswissenschaft entwickeln ein Pflichtmodul weiter. Es soll Lehramtsstudierende unterstützen, fördern und ihnen Raum für Reflexion zu ihrer Tätigkeit als studentische Vertretungskraft bieten. Die Universität Bielefeld fördert das Projekt mit 60.000 Euro des Qualitätsfonds plus.
Als studentische Vertretungslehrkräfte sammeln Lehramtsstudierende wichtige Praxiserfahrungen und qualifizieren sich für ihren späteren Beruf weiter. „Wir wissen aus dem Austausch mit unseren Studierenden, dass sie als studentische Vertretungslehrkräfte oft mit Fragen, Irritationen und Ungewissheiten konfrontiert werden. Im eng getakteten Schulalltag haben sie kaum Zeit, diese ausreichend zu verarbeiten oder zu reflektieren, während ihre universitäre Ausbildung zur Lehrkraft noch im vollen Gange ist”, erklärt Professorin Dr. Susanne Miller aus der Arbeitsgruppe Schultheorie mit dem Schwerpunkt Grundschulpädagogik an der Fakultät für Erziehungswissenschaft. Gemeinsam mit Dr. Mona Stets leitet sie das neue Projekt „Grundschulpädagogik für studentische Vertretungslehrkräfte”.

© Mike-Dennis Müller
Sie entwickeln ein bestehendes Pflichtmodul im Curriculum der Bielefelder Lehramtsstudierenden für Grundschulen und Integrierte Sonderpädagogik an Grundschulen weiter und beziehen systematisch die Erfahrungen der Studierenden als Vertretungslehrkräfte in die universitäre Ausbildung mit ein. Das überarbeitete Modul umfasst drei Bausteine: Erstens die Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen der Grundschulpädagogik, wobei die angehenden Lehrer*innen insbesondere ihre Analysekompetenzen stärken und sich mit Erkenntnissen der Unterrichtsqualitätsforschung auseinandersetzen: Wie lässt sich guter Unterricht gestalten? Wie führen sie eine Klasse effektiv? Welche Arbeitsmaterialien können ihnen dabei helfen? Zweitens die systematische Reflexion der Praxiserfahrungen aus der Schule. In Peerberatungen besprechen sie authentische Fälle aus der Tätigkeit als Vertretungslehrkraft mit Kommiliton*innen und Lehrenden. Dieser Baustein wird in Kooperation mit dem Zentrum Praxisreflexion in der Lehrer*innenbildung der Bielefeld School of Education an der Universität Bielefeld realisiert. Der dritte Baustein zielt darauf, dass die Lehramtsstudierenden Methoden und Materialien für den Schulunterricht in der Lernwerkstatt an der Fakultät für Erziehungswissenschaft erproben, unter Begleitung praxiserfahrener Lehrer*innen für ihren eigenen Unterricht weiterentwickeln und den Methoden- und Material-Einsatz reflektieren.
„Dieses vorbildliche Projekt zeigt, wie wir als Universität auf die gesellschaftliche Herausforderung des Lehrkräftemangels reagieren und eine möglichst frühe Verzahnung von Theorie und Schulpraxis anstreben. Damit machen wir auch neue und innovative Angebote im Bereich Lehrkräftebildung in der Grundschule und richten unsere Lehramtsausbildung noch stärker auf die konkreten Bedürfnisse unserer Studierenden aus“, sagt Professor Dr. Dario Anselmetti, Prorektor für Studium und Lehre an der Universität Bielefeld.