Goldmedaille für das Bielefelder iGEM-Team

Ein studentisches Forschungsteam der Universität Bielefeld entwickelte eine neuartige Behandlungsmethode zur Bekämpfung von Krebs und nahm damit im November am größten internationalen Wettbewerb der synthetischen Biologie teil. Mit ihrem Projekt sind die Bielefelder Bachelor- und Masterstudierenden zusammen mit mehr als 400 internationalen Teams beim Grand Jamboree des international Genetically Engineered Machine (kurz: iGEM) Wettbewerbs in Paris angetreten. Die Jury zeichnete das Bielefelder ASTERISK*-Projekt mit einer Goldmedaille aus.

Beim Wettbewerbstreffen in Paris zeigte sich, dass das Bielefelder Team über den gesamten Projektverlauf alle Anforderungen meisterte: Zunächst musste das Studierendenteam eine Reihe von Experimenten zu ihrem Projekt entwerfen und durchführen, dann die Ergebnisse übersichtlich zusammenstellen und der Jury vorlegen.

Die Delegation des Bielefelder Wettbewerbs-Team auf dem Grand Jamboree in Paris
Die Delegation des Bielefelder Wettbewerbs-Team auf dem Grand Jamboree in Paris (v.l.n.r.): Prof. Dr. Kristian Müller, Lucas Krause, Julia Macholl, Siavash Matoori, Felicitas Zimmer, Jan Seeger, Sinan Zimmermann, Svenja Vinke.

Das diesjährige Bielefelder Team entwarf eine neue Diagnose-Option und Therapie, um aggressive und schwer zu behandelnde Hirntumore, sogenannte Gliome, besser zu behandeln. Dafür arbeiteten die Bielefelder Studierenden in den Laboren des Centrums für Biotechnologie (CeBiTec) sowie der Technischen Fakultät der Universität. Ihr Ziel: die Optimierung der Tumordiagnostik und die Entwicklung einer mRNA-Therapie. Sie legten die Grundlage für schnelle und präzise Werkzeuge, die bereits während eines chirurgischen Eingriffes für Diagnose und Behandlung eingesetzt werden können. Das Bielefelder iGEM-Projekt erhielt den Titel „Advanced Sequencing of Tumormarkers Enabling RNA-based Intra-operative Sensing and Killing“ (kurz: ASTERISK*). Die Projektpräsentation erfolgte auf dem Grand Jamboree in Paris.

ASTERISK* bezeichnet eine Behandlungsplattform, welche die molekulare Charakterisierung des Tumors und die gezielte mRNA-Therapie noch während des operativen Eingriffs zur Tumorentnahme des Tumors erlaubt. Das Team stand im Laufe des Projekts in regem Austausch mit medizinischen Expert*innen, um das Projekt an Bedürfnissen aus dem klinischen Alltag von Neurochirurg*innen und Patholog*innen zu orientieren. Mit ihrem Projekt nutzte das diesjährige Bielefelder Team vor allem die Möglichkeiten der synthetischen Biologie.

Synthetische Biologie ist eine neue Wissenschaftsdisziplin, die sich aus den modernen Biowissenschaften und den Ingenieurswissenschaften entwickelt hat. Ziel der synthetischen Biologie ist es, Konzepte und Strukturen aus der Natur zu verändern und in neuen Kontexten zu verwenden. So wird beispielsweise aus einer Zellpore ein bioelektrischer Sensor zur Sequenzierung von DNA. Im Zuge des diesjährigen iGEM-Wettbewerbs nutzte das Bielefelder Team Technologien der synthetischen Biologie, um Behandlungsmethoden für Hirntumore zu entwickeln. Der iGEM-Wettbewerb bietet Studierenden die Möglichkeit, selbstständige Projekte zu planen und durchzuführen. Im Verlauf des Wettbewerbs haben sie die Chance, mit zukunftsweisenden Technologien zu arbeiten und beim Wettbewerbstreffen weltweit Forschende aus den Biowissenschaften kennenzulernen. An der Universität Bielefeld nehmen seit 2010 Teams am iGEM-Wettbewerb teil. Die Universität Bielefeld plant, sich auch weiterhin am iGEM-Wettbewerb zu beteiligen.

Aktualisierte Version des Artikels vom 29. November 2023