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Frageverhalten von Grundschüler*innen wird untersucht


Autor*in: Norma Langohr


Fragen sind für den Erkenntnisgewinn ein wichtiger Faktor. Bisher lag der Fokus der Schulforschung auf den Fragen der Lehrer*innen. Die Fragen der Schüler*innen sind kaum untersucht. Dies möchte Professorin Dr. Susanne Miller, Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Grundschulpädagogik an der Universität Bielefeld und ihr Forschungsteam ändern. Im September startete ihr Forschungsprojekt „Fragen im Sachunterricht der Grundschule (FragS) – Eine videobasierte Beobachtungsstudie zu Schüler*innenfragen im Kontext von Unterrichtsqualität“. Es wird für drei Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Mit einer groß angelegten videobasierten Beobachtungsstudie in 140 Grundschulklassen aus dem gesamten Gebiet Ostwestfalen-Lippe zielt das Forschungsteam auf grundlegende Erkenntnisse zum Frageverhalten von Schüler*innen im Unterricht. Dabei wird auch untersucht, ob sich zentrale Unterrichtsmerkmale, wie beispielsweise der Grad der kognitiven Aktivierung, als relevante Einflussfaktoren auf das Fragenstellen der Grundschulkinder erweisen. Zur guten Vergleichbarkeit konzentriert sich die Erhebung auf den Sachunterricht der Grundschule und dort auf den Gegenstandsbereich „Strom und Energie“, der regelmäßig in den dritten und vierten Jahrgängen unterrichtet wird. Die Studie leistet einen wichtigen Beitrag zur Unterrichtsforschung, indem sie nach Indikatoren für eine fragenförderliche Unterrichtskultur sucht. Hierzu konnte mit Professor Dr. Thilo Kleickmann von der Universität Kiel ein Experte auf dem Gebiet der Unterrichtsqualitätsforschung als Kooperationspartner gewonnen werden.

Hintergrund ist dabei folgender: Die empirische Schulforschung legt bisher vor allem den Fokus auf die Lehrer*innenfrage und fragt nach ihrer Rolle für die Lernunterstützung und Unterrichtsstrukturierung. Was ist aber mit den für das Lernen als mindestens ebenso relevant eingeschätzten Fragen der Schüler*innen? Hier zeigt sich ein erhebliches Forschungsdefizit. Wenige und ältere Studien aus dem Sekundarbereich weisen diese als eher „seltene Ereignisse“ auf niedrigem Niveau aus. Aus dem Grundschulbereich liegen bisher im deutschsprachigen Raum noch gar keine quantitativen empirischen Erkenntnisse über die Fragen von Schüler*innen vor. Es wird daher höchste Zeit diesen Forschungsgegenstand für den Grundschulbereich spezifisch in den Blick zu nehmen: Gestaltet sich das Frageverhalten von Grundschulkindern ähnlich ernüchternd wie im Sekundarbereich oder zeichnet sich hier ein anderes Bild ab?

Gruppenbild der "FragS"-Forschenden
Forschende des Forschungsteams ‘FragS’ (v.l.): Rebecca Hummel, Dr. Anne Reh, Prof’in Dr. Susanne Miller, Rieke Großerüschkamp, Mona Stets und Joana Ernst

Das Forschungsvorhaben wird von den unteren Schulaufsichten der Region unterstützt und viele Schulleitungen und Lehrkräfte der Grundschulen aus Bielefeld, Lippe, Herford und Gütersloh haben bereits ihre Mitarbeit zugesagt – und dies trotz der insgesamt hohen Belastungen an Grundschulen. Letztlich müssen aber auch noch die Eltern ihr Einverständnis geben. Das Forschungsteam der Fakultät für Erziehungswissenschaft dankt deshalb den vielen Beteiligten, die sich schon jetzt zu einer Teilnahme bereit erklärt haben und damit zentral zum Erfolg des Projekts beitragen und hofft gleichzeitig auf die Gewinnung weiterer Grundschulen.    

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt: www.uni-bielefeld.de/fakultaeten/erziehungswissenschaft/forschung/projekte/frags/

Das Bildmaterial ist hier abrufbar.