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Von Forschungsverantwortung bis Vertrauen in Wissenschaft


Autor*in: Universität Bielefeld

Was sind Ursachen dafür, dass wissenschaftlichen Vorhersagen zur Corona-Pandemie nicht getraut werden? Und welche Strategien benutzen Klimagegner*innen, um Zweifel an politischen Maßnahmen zum Klimaschutz zu säen? Solche Fragen diskutieren rund 120 Forschende aus 19 Ländern Ende September auf der EES 2022, einer internationalen Konferenz zur Ethik und Erkenntnistheorie der Wissenschaft. Organisiert wird die Konferenz vom Graduiertenkolleg „Die Integration von theoretischer und praktischer Wissenschaftsphilosophie“ (GRK 2073), das an den Universitäten Bielefeld und Hannover angesiedelt ist. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Graduiertenkolleg bis 2024.

„Mit der Konferenz versuchen wir, unterschiedliche philosophische Perspektiven auf Wissenschaft und Forschung zusammenzubringen“, sagt Anna Höhl. Die Philosophin hat selbst an der Universität Bielefeld als Mitglied des Graduiertenkollegs promoviert und ist nun Koordinatorin des GRK 2073. „Die Klimakrise oder die Corona-Pandemie zeigen, welche Bedeutung Wissenschaft in der Gesellschaft hat. Daraus entstehen auch relevante wissenschaftsphilosophische Fragen. Viele dieser Fragen lassen sich aber erst beantworten, wenn philosophische Teilbereiche wie Wissenschaftstheorie, Ethik oder politische Philosophie kombiniert werden.“

Bilder der Personen: Prof. Dr. Martin Carrier von der Universität Bielefeld und Prof. Dr. Torsten Wilholt
Prof. Dr. Martin Carrier von der Universität Bielefeld und Prof. Dr. Torsten Wilholt von der Leibniz Universität Hannover sind Sprecher des Graduiertenkollegs 2073.

Konferenz wird von Nachwuchsforschenden organisiert

Die EES 2022 beschäftigt sich mit einer Bandbreite wissenschaftsphilosophischer Themen, wie dem Vertrauen in die Wissenschaft, der Rolle von Wissenschaft in der Demokratie, der gesellschaftlichen Verantwortung von Forschung, dem Einfluss von Werten auf Wissenschaft und dem Umgang mit Unsicherheit in wissenschaftlichen Modellen. Höhepunkte der Konferenz sind die Vorträge der sechs eingeladenen Hauptredner*innen: Professorin Dr. Kristen Intemann von der Montana State University (USA), Professorin Dr. Tarja Knuuttila von der Universität Wien (Österreich), Professorin Dr. Sabina Leonelli von der University of Exeter (Großbritannien), Professor Dr. Liam Kofi Bright von der London School of Economics (Großbritannien), Professor Dr. Kevin Elliott von der Michigan State University (USA) und Professorin Dr. Anna Leuschner von der Universität Wuppertal. Ergänzt wird das Programm durch 20 weitere Vorträge in parallelen Sessions.

Die Promovierenden und Postdocs des GRK 2073 organisieren die Konferenz eigenständig, von der Auswahl der Redner*innen und Vorträge bis zur Gestaltung des Rahmenprogramms. „Es war sehr spannend, von Beginn an bei der Planung einer internationalen philosophischen Konferenz dabei zu sein, erst als Doktorandin und dann als Koordinatorin des Kollegs“, sagt Höhl. „Solche Tätigkeiten sind ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung am GRK und bereiten unsere Promovierenden auf eine Karriere in der Wissenschaft vor.“

Gemeinsames Kolleg der Universitäten Bielefeld und Hannover

Aktuell forschen 26 Doktorand*innen am GRK 2073, davon zehn an der Universität Bielefeld und 16 an der Leibniz Universität Hannover. Dazu kommen vier Postdoktorand*innen. „Das Ziel des Graduiertenkollegs ist, theoretische und praktische Wissenschaftsphilosophie zu integrieren. Zur theoretischen Philosophie gehören zum Beispiel Logik, Erkenntnistheorie oder Metaphysik, praktische Philosophie umfasst etwa Forschungsethik oder politische Philosophie“, sagt Professor Dr. Martin Carrier von der Abteilung Philosophie der Universität Bielefeld. Er ist Professor für Wissenschaftsphilosophie und Ko-Sprecher des GRK. Professor Dr. Torsten Wilholt von der Leibniz Universität Hannover, Sprecher des GRK, ergänzt: „Wir bringen die Stärken der beiden Universitäten Hannover und Bielefeld zusammen. Wie fruchtbar diese Zusammenarbeit ist, zeigt sich auch in der gemeinsamen Organisation der EES-Konferenz.“

Die DFG fördert das GRK 2073 seit 2015. 2019 hat die DFG die zweite Förderperiode bewilligt, die noch bis 2024 läuft. Graduiertenkollegs sind Einrichtungen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, die maximal neun Jahre aufgeteilt auf zwei Perioden unterstützt werden. An der Universität Bielefeld sind drei weitere DFG-Graduiertenkollegs angesiedelt: zu Geschlechterforschung, mathematischen Irregularitäten und Weltpolitik in der Weltgesellschaft.

Die EES 2022 (kurz für „International Conference on Engaging Ethics and Epistemology in Science”, deutsch etwa: Internationale Konferenz zur Einbeziehung von Ethik und Erkenntnistheorie in die Wissenschaft) findet vom 29. bis zum 30. September im Leibnizhaus in Hannover statt. Die Konferenzsprache ist Englisch. Informationen zum Programm und zu den Vortragenden finden sich auf der Webseite des GRK 2073.