Zwischen Datenschutz und Vertrauen

Chatbots, intelligente Staubsauger, autonome Fahrzeuge: Smarte Produkte können das Leben in vielen Bereichen leichter machen und sind dabei, sich zu einem Milliarden-Markt zu entwickeln. Doch wo diese Technik im Einsatz ist, sammelt sie Daten – über Lebensgewohnheiten, Wohnungsgröße, Fahrstil und vieles mehr. Wer bekommt diese Daten? Und was wird mit ihnen gemacht? Können Nutzer*innen solchen Produkten vertrauen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Tagung „Smart Products, Privacy and Trust“ (Smarte Produkte, Privatsphäre und Vertrauen) vom 14. bis zum 16. März am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. Veranstalter ist die interdisziplinäre Forschungsgruppe „Ökonomische und rechtliche Herausforderungen im Kontext intelligenter Produkte“. Die Tagung wird in hybrider Form abgehalten.

Die ZiF-Forschungsgruppe wird geleitet von (v.li.): Ökonom Prof. Dr. Herbert Dawid, Juristin Prof’ in Dr. Sabine Gless und Ökonom Prof. Dr. Gerd Muehlheusser. Foto links: Universität Bielefeld/P. Ottendörfer, Foto Mitte: Universität Basel, Foto rechts: Universität Hamburg

Die Forschenden bearbeiten das Thema aus verschiedenen Perspektiven. „Die Frage nach dem Vertrauen in diese relativ neue Technik muss aus dem Blickwinkel der technischen Möglichkeiten, des Marktes, aber auch der rechtlichen Bedingungen und der Psychologie angegangen werden“, sagt der Ökonom Professor Dr. Herbert Dawid (Universität Bielefeld). Er leitet die ZiF-Forschungsgruppe zusammen mit der Juristin Professorin Dr. Sabine Gless (Universität Basel) und dem Ökonom Professor Dr. Gerd Muehlheusser (Universität Hamburg).

Wie Systeme technisch sicher und datensparsam eingerichtet werden können, wird in den Vorträgen der Tagung ebenso diskutiert wie Zertifizierungsmöglichkeiten. „Schon die Frage, wieviel Transparenz nötig ist, um bei Nutzer*innen Vertrauen zu erzeugen, ist nicht leicht zu beantworten“, erklärt Sabine Gless. „Manche nehmen die Datenspeicherung für mehr Bedienungsfreundlichkeit in Kauf und bei ihnen müsste erst einmal das Bewusstsein dafür geweckt werden, dass es hier Probleme gibt. Andere sind sehr misstrauisch und verlangen strikte Regelungen.“

Zudem gibt es große Unterschiede zwischen den Geräten und Verfahren, die als „smart“ bezeichnet werden. „Ein Auto, das selbst die Spur halten kann und Daten über den individuellen Fahrstil sammelt, ist etwas ganz anderes als ein Algorithmus, der bei Gerichtsverhandlungen zum Einsatz kommen könnte“, so Gerd Muehlheusser. „Noch einmal eine ganz andere Herausforderung ist es, Firmen zu ermöglichen, untereinander Daten zu teilen, um ihre Produkte zu verbessern, ohne Datenschutz und Firmengeheimnisse zu vernachlässigen.“

Sicher ist nach Ansicht der Forschenden: Auf die Dauer werden sich smarte Produkte nur etablieren können, wenn diese Fragen geklärt werden und Nutzer*innen darauf vertrauen können, sich mit der intelligenten Technik keine digitalen Spione ins Haus zu holen oder am Arbeitsplatz mit heimlichen digitalen Aufpassern konfrontiert zu sein. „Mit dieser Tagung möchten wir Wege aufzuzeigen, wie ein vertrauenswürdiger Umgang mit den Daten, die smarte Produkte generieren und sammeln, aussehen könnte“, sagt Herbert Dawid.

Die Tagung findet im hybriden Format in englischer Sprache statt. Journalist*innen sind herzlich eingeladen, über die Veranstaltung zu berichten. Eine Anmeldung ist erforderlich bei: smart-products@uni-bielefeld.de. Die Tagungsleiter*innen stehen für Medienanfragen zur Verfügung.