Medizinische Fakultät: VR-Simulation geht in den Praxistest

24.11.2021
von: Universität Bielefeld

Die ersten Medizinstudierenden durften Mitte November die von Forschenden der Medizinischen Fakultät OWL und der Hochschule Emden/Leer im BMBF-Projekt „Digitale und Virtuell unterstützte Fallarbeit in den Gesundheitsberufen“ entwickelte Virtuelle Realität (VR)-Simulation testen. Die VR-Simulation zum Thema „Reanimation“ stand im Rahmen des Seminars „Basismaßnahmen der cardiopulmonalen Reanimation (BLS) des Erwachsenen“ der Notfallmedizinlehre zur Verfügung.

„Toll, dass die Studierenden jetzt die Möglichkeit haben, die im Projekt entwickelten Unterrichtsmaterialien und vor allem auch die VR-Simulation zu testen“, freut sich Projektleiterin und Dekanin Prof. Dr. med. Claudia Hornberg. „Dieses Projekt hat, als eines der ersten der Medizinischen Fakultät OWL, für mich eine ganz besondere Bedeutung, da es noch von unserem geschätzten Kollegen Dr. med. Karim Gawad initiiert und eingeworben wurde, der leider viel zu früh verstorben ist.“

Die Einbettung der im Projekt entwickelten VR-Simulation in die Lehre der Notfallmedizin erfolgte in enger Abstimmung mit dem Fachverantwortlichen für Notfallmedizin, Dr. med. Achim Röper (Leitender Oberarzt Klinikum Bielefeld). Die Studierenden konnten im Rahmen des Seminars an insgesamt vier Stationen erste praktische Fähigkeiten an Simulationspuppen trainieren. Unter Anleitung von Ärzten des Klinikums Bielefeld, des Evangelischen Klinikums Bethel und des Klinikums Lippe sowie von Mitarbeiter*innen des Studieninstitutes Westfalen-Lippe wurden unter anderem die Durchführung einer Herzdruckmassage, das Anlegen eines AED (Automatisierter externer Defibrillator) und das Atemwegsmanagement geübt.

An der Station des Projektteams tauchten die Studierenden dann unter Anleitung von Oberärztin Dr. med. Anne-Kathrin Eickelmann, Projektmitarbeiter Frank Homp und Claudio Krause in die virtuelle Welt ein. Anhand des Fallbeispiels einer älteren Dame, die in einer Pflegeeinrichtung kollabiert war, übten die Studierenden das Auffinden einer bewusstlosen Person und die Durchführung einer Reanimationssituation. „Die VR-Simulation bietet eine sehr gute Chance, dass die Studierenden den Ablauf und die einzelnen Schritte beim Auffinden einer bewusstlosen Person und bei der Durchführung einer Reanimation trainieren. Zudem bietet die virtuelle Realität den Vorteil, dass das Fallbeispiel realitätsnäher dargestellt werden kann“, sind sich die Projektkoordinatorinnen Ivonne Wattenberg und Rebecca Lätzsch sicher.

Die Medizinstudentin Ramona Scherer testet unter der Anleitung des Projektmitarbeiters Frank Homp die VR-Simulation. Foto: Universität Bielefeld

Besonders gefreut hat sich das Projektteam über die begeisterte Teilnahme und das umfassende und hilfreiche Feedback der Studierenden, das eine große Bedeutung für die Weiterentwicklung der VR-Simulation hat. „Ich konnte hier auf ideale Weise den ersten Patientenkontakt in einer Notfallsituation erleben – ohne die reale Angst, dass der Patient mir direkt verstirbt“, berichtet Student Nezir Hasani. „Ich sehe hier auch für die Zukunft eine sehr hilfreiche Lernmethode für weitere Erstsemester-Studierende.“

Neben der VR-Simulation wurde weiteres Lern- und Lehrmaterial zum Thema „Basic Life Support“ erstellt und über das Learning-Management-System der Universität Bielefeld zur Verfügung gestellt, u.a. ein Legetechnikvideo und eine Podcast- Reihe, in der Vertreter*innen verschiedener Gesundheitsberufe ihre Erfahrungen mit Reanimationen schildern. Die entwickelten Medien sollen auch über das Projekt hinaus interessierten Lehrenden als öffentliche Lernmaterialien (OER) zur Verfügung gestellt werden.

Hintergrund zum Projekt:
Das Projekt „Digitale und Virtuell unterstützte Fallarbeit in den Gesundheitsberufen“ (DiviFaG) ist ein Verbundvorhaben der Universität Bielefeld (Fakultät für Erziehungswissenschaft/Medienpädagogik und Medizinische Fakultät OWL), der Fachhochschule Bielefeld, der Hochschule Osnabrück und der Hochschule Emden/Leer. Es wird über einen Zeitraum von drei Jahren (bis Dezember 2022) vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMBF) in der Förderlinie „Digitale Hochschulbildung“ gefördert.