Wenn die Kaffeemaschine die Kontonummer kennt

27.09.2021
von: Universität Bielefeld

Ob Fernseher, Kaffeemaschine oder Auto: Geräte, die uns das Leben erleichtern, indem sie uns Alltagsarbeit abnehmen und sich vielleicht sogar den Vorlieben ihrer Nutzer*innen anpassen, die dazu lernen und Entscheidungen treffen, finden in immer mehr Lebensbereichen Verwendung. Welche ökonomischen und rechtlichen Herausforderungen bringen solche Produkte mit sich? Damit befasst sich ab Oktober für zehn Monate eine internationale Forschungsgruppe am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. Ihre Eröffnungskonferenz findet vom 4. bis zum 6. Oktober in hybridem Format statt.

Bilder der Personen: Ökonom Prof. Dr. Herbert Dawid, Juristin Prof’ in Dr. Sabine Gless und Ökonom Prof. Dr. Gerd Muehlheusser
Sie leiten die neue ZiF-Forschungsgruppe (v.li.): Ökonom Prof. Dr. Herbert Dawid, Juristin Prof’ in Dr. Sabine Gless und Ökonom Prof. Dr. Gerd Muehlheusser. Foto links: Universität Bielefeld/P. Ottendörfer, Foto Mitte: Universität Basel, Foto rechts: Universität Hamburg

Smarte Produkte wie lernende Haushalts- oder Gesundheitsgeräte und hochautomatisierte Fahrzeuge halten zunehmend Einzug in den Alltag. „Diese Geräte erleichtern uns nicht nur das Leben, sie werfen auch wirtschaftliche und rechtliche Fragen auf“, erklärt der Ökonom Professor Dr. Herbert Dawid von der Universität Bielefeld. Er leitet die Forschungsgruppe zusammen mit der Juristin Professorin Dr. Sabine Gless von der Universität Basel (Schweiz) und dem Ökonomen Professor Dr. Gerd Muehlheusser von der Universität Hamburg.

„Da geht es etwa um Haftung und Datenschutz, Verbraucherakzeptanz und gesetzliche Regulierung, aber auch um die Frage, wie Unternehmen in diesem Bereich mit der Unsicherheit über zukünftige rechtliche Rahmenbedingungen und Konsumentenakzeptanz umgehen können“, sagt Herbert Dawid. Wer haftet etwa, wenn ein hochautomatisiertes Fahrzeug einen Unfall verursacht? Ist der Schutz der Privatsphäre gesichert, wenn Fernseher oder Kühlschränke Informationen über ihre Besitzer*innen sammeln? Wie lässt sich sicherstellen, dass Roboter, die neben oder mit Menschen arbeiten, zuverlässig funktionieren? „In den meisten dieser Bereiche wird gerade erst diskutiert, wie eine gute gesetzliche Regulierung aussehen kann“, sagt Sabine Gless.

Die Forschungsgruppe hat sich deshalb drei Themenfelder vorgenommen: den Einfluss rechtlicher Rahmenbedingungen auf die Entwicklung smarter Produkte, den Datenschutz und die Wechselwirkungen zwischen technologischen Neuerungen und dem Rechtssystem.

„Wir wissen zum Beispiel noch zu wenig darüber, wie sich die rechtlichen Rahmenbedingungen auf die Anreize von Unternehmen auswirken, in die Entwicklung von smarten Produkten zu investieren, und zu welchem Zeitpunkt und mit welchen Eigenschaften diese Produkte dann letztlich auf den Markt gebracht werden“, erläutert Gerd Muehlheusser. „Ein besseres Verständnis dieser Fragen ist wichtig angesichts der rasant fortschreitenden technologischen Entwicklung.“

45 Fellows aus zwölf Ländern werden bis Juli des kommenden Jahres in der neuen Forschungsgruppe zusammenarbeiten. Sie kommen aus den Forschungsbereichen Ökonomie, Rechtswissenschaften, Management, Soziologie, Philosophie, Informatik und Ingenieurswissenschaften und aus der Industrie.

Auf der Eröffnungskonferenz geht es in erster Linie um die Verlässlichkeit von intelligenter Technik, ihren Einsatz im Rechtswesen, Haftungsfragen, Datenschutz und das Vertrauen der Menschen in diese Produkte. Auf dem Programm stehen auch zwei Keynote-Vorträge: Professor Eric Talley PhD (Columbia University, USA) spricht über autonome Fahrzeuge und Professorin Dr. Mireille Hildebrandt (Vrije Universiteit Brussel, Belgien) über die Verlässlichkeit Künstlicher Intelligenz. Abgerundet wird die Konferenz durch eine Podiumsdiskussion mit Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis. Sie sprechen über die Frage „Wie weit gehen wir mit smarten Produkten?“

Das Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld ist eine unabhängige, thematisch ungebundene Forschungseinrichtung und steht Wissenschaftler*innen aller Länder und aller Disziplinen offen. ZiF-Forschungsgruppen sind längerfristige, interdisziplinäre Projekte und stehen im Mittelpunkt der Arbeit des ZiF. Neben regelmäßigen Arbeitstreffen veranstalten die Forschungsgruppen Konferenzen, Workshops und Vorträge.

Fot

Die Tagung ist öffentlich und findet in hybridem Format statt. Interessierte sind herzlich eingeladen, online teilzunehmen. Die Tagungssprache ist Englisch. Eine Anmeldung ist erforderlich bei: trixi.valentin@uni-bielefeld.de.