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Was hält die Gesellschaft zusammen – was treibt sie auseinander?


Autor*in: Universität Bielefeld

Demokratien sind auf ein Mindestmaß an Zusammenhalt angewiesen, um Konflikte so zu gestalten, dass sich eine Gesellschaft positiv entwickelt. Normen, Werte und die Vermittlung von Wissen, brauchen Zusammenhalt. Minoritäten brauchen Gehör und Teilhabe, die als Stärkung des Zusammenhalts betrachtet werden. Die Fachtagung Gesellschaftlicher Zusammenhalt vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld fragt unter der Leitung von Professor Dr. Andreas Zick und Dr. Jonas Rees nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland und versucht eine Bestandsaufnahme. Die Konferenz am 10. und 11. Februar im Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) geht auch der Frage nach, wie Zusammenhalt gestärkt werden kann. Die Bertelsmann Stiftung unterstützt die Fachtagung.

„Der Zusammenhalt scheint in den letzten Jahren immer mehr in Zweifel gezogen oder direkt angegriffen zu werden. Das gilt für Deutschland wie für viele andere Länder“, meint Andreas Zick, Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung und ergänzt: „Der gesellschaftliche Zusammenhalt wird bezweifelt und angemahnt, und er wird von Populismus und Extremismus angegriffen. Appelle an Zusammenhalt reichen nicht. Wir müssen wissen, wie er gestaltet und vermittelt werden kann.“ Zudem habe sich die Gesellschaft verändert. Die Lebensrealitäten unterscheiden sich zunehmend in Deutschland: sei es im Unterschied zwischen Stadt- und Landbevölkerung, zwischen Generation oder Kulturen.

Wie also ist es um den Zusammenhalt bestellt? Wo ist er schwach oder nicht mehr vorhanden, wo ist er stark? Wie kann Zusammenhalt vermittelt werden? Kann Zusammenhalt gelingen, wenn die Gesellschaft sich immer mehr ausgestaltet und Einzelinteressen von Interessensgruppen, zu denen auch die Wirtschaft gehört, bedeutsamer sind als Zusammenhalt? Diese Fragen sind wissenschaftlich relevant, ebenso wie Fragen von Gruppen und Institutionen, die Zusammenhalt vermitteln. Dazu gehören Bildung, Städte, Vereine, Polizei und Feuerwehr. Dazu gehören Vertretungen von Gruppen, die davon ausgehen können, dass die Gesellschaft zu ihnen hält. Die Fragen verlangen Antworten, die am besten zwischen jenen, die Zusammenhalt bereitstellen und jenen, die ihn analysieren, zusammen erbracht und vermittelt werden.

Dr. Jonas Rees (l.) und Professor Dr. Andreas Zick (r.) leiten die Fachkonferenz Gesellschaftlicher Zusammenhalt. Foto: Universität Bielefeld

Ausgangspunkt der zweitägigen Veranstaltung ist die Frage, was gesellschaftlichen Zusammenhalt schafft: Zu dieser Frage diskutieren Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen, Ulrich Lilie (Präsident der Diakonie Deutschland), Professorin Dr. Petra Bendel (Universität Erlangen-Nürnberg), und Professor Dr. Aladin El-Mafaalani (Universität Osnabrück). Ebenso sind Nichtregierungsorganisationen, Forscher*innen, Medienschaffende, Publizist*innen, Stiftungen und Gedenkstätten vor Ort wie auch Stadt- und Raumplaner*innen.

Danach geht es in den Panels darum, wie Erinnerung zu Zusammenhalt beiträgt, was die Jugend auf dem Land zusammenhält und wie Zusammenhalt und Integration zusammenhängen. Am zweiten Tag konzentrieren sich die Tagungsteilnehmer*innen auf die Frage, wie Zusammenhalt vermittelt werden kann. Nach der Keynote von Professor Dr. Uwe Schimank (Universität Bremen) geht es um Zusammenhalt durch Beteiligung, aber auch um Zusammenhalt in Konflikten oder durch Konflikte.

„Wir erhoffen uns von der Tagung erste Impulse für die Fragen, was unsere Gesellschaft zusammenhält oder spaltet und wie Wissenschaft und Praxis zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen können. Damit werden wir uns in den nächsten Jahren intensiver beschäftigen“, sagt Dr. Jonas Rees. „Die Wege sollen kürzer werden zwischen Analyse und Praxis. Bielefeld ist darin gut geübt“, meint Rees.