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Ringvorlesung des ZKJF in Kooperation mit der AG 8: Zwischen organisatorischer Machbarkeit und pädagogischer Legitimität. Partizipative Praktiken im frühpädagogischen Kontext

18.01.2023
16:00 - 18:00
Gebäude X
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Prof. Dr. Sascha Neumann, Eberhard Karls Universität Tübingen

Nicht dermaßen beteiligt werden.

Über die Widersprüche einer

(sozial-)pädagogischen Norm.

Partizipation von Adressat*innen in (sozial-) pädagogischen Zusammenhängen soll ermöglicht werden. Dies gilt fachlich als allgemein zustimmungsfähig und wird zudem flankiert von der Etablierung spezifischer Rechtsnormen, etwa im Kontext der UN-Kinderrechtskonvention oder im Kinder- und Jugendhilferecht (SGB VIII).

Dabei geht die Orientierung an Partizipation mit sehr unterschiedlichen Verständnissen, normativen Vorstellungen und Versprechen einher. Sie kann in (sozial-)pädagogischen Kontexten darauf zielen, Adressat*innen die ihnen zustehende Selbstbestimmung zu ermöglichen bzw. ein Erlernen und Erfahren demokratischer Praxen zu ermöglichen. Stärker instrumentell gewendet ist das Konzept der Partizipation oft mit der Idee verknüpft, Heranwachsenden die notwendigen Kompetenzen zur politischen Beteiligung als ‚future citizens‘ zu vermitteln. Partizipation verspricht als Einbindung und Gewinnung des Gegenübers  eine höhere Wirksamkeit erzieherischer Hilfen und  als normative Erwartung wird sie im Sinne einer Mitwirkung(spflicht) an die Adressat*innen herangetragen. Die Schwierigkeit, Partizipation als fachlichen Anspruch zu fassen, an welchem sich pädagogische Praxis zu messen habe, kommt allerdings nicht nur durch diese begriffliche Unschärfe ins Spiel. Vielmehr impliziert Partizipation oftmals die Beteiligung der (autonom gedachten) Subjekte, die ‚sich einbringen‘ und dabei ‚ihre‘ Präferenzen zum Thema machen oder ‚ihre‘ Interessen vertreten sollen. Diese, möglichst authentische, Beteiligung der Subjekte ist es, die im pädagogischen Kontext die Hoffnung speist, die Machtförmigkeit von pädagogischen Beziehungen sowie deren Anfälligkeit für Machtmissbrauch durch Partizipation zu reduzieren und Demokratisierungsprozesse zu befördern.

Aus subjektkritischer Perspektive lässt sich dagegen fragen, auf welche Weise und mit welchen Konsequenzen Adressat*innen – etwa Kinder und Jugendliche – in Partizipationszusammenhängen zum Subjekt gemacht werden bzw. sich selbst zum Subjekt machen und auf welche Weise dabei – etwa institutionelle bzw. generationale – Ordnungen ins Spiel kommen. Partizipation stellt sich aus einer solchen Perspektive somit als ambivalent dar, da sie immer in jeweilige Machtverhältnisse eingebunden ist und nicht per se ermächtigend, aber auch nicht per se Herrschaftsinstrument ist.

In der Ringvorlesung soll mittels grundlagentheoretischer Überlegungen sowie Theoretisierungen am empirischen Material Partizipation – insbesondere im Kontext von Kindheit und sozialpädagogischen Institutionen – beleuchtet und diskutiert werden. Dabei soll ein Nachdenken beispielsweise über Fragen zum Subjektstatus im Zusammenhang mit kindlicher agency und Disziplinierung, der Entwicklungstatsache und deren institutioneller Inszenierung sowie der mit Praktiken der Partizipation verbunden Differenzproduktion ermöglicht und anregt werden.

Alles auf einen Blick:

  • Ort: Gebäude X
  • Raum: X-E0-207
  • Zeit: 18.01.2023, 16:00 - 18:00
  • Zielgruppe: Absolvent*innen, Bürger*innen, Lehrende und Forschende, Studieninteressierte, Studierende, Wiss. Nachwuchs
  • Öffentlichkeit: öffentlich
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