„Einige waren Nachbarn: Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand“

Online-Vortrag und Diskussion zur Ausstellung des United States Holocaust Memorial Museum

Do 21.10.2021
18:00 – 19:30
Online via Zoom

Die Verbrechen des Nationalsozialismus und die systematische Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung von Menschen in der Zeit von 1933 bis 1945 waren das Ergebnis komplexer, gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen. Wissen und Bewusstsein über nationalsozialistische Verbrechen in weiten Teilen der damaligen deutschen Bevölkerung sind geschichtswissenschaftlicher Forschung zufolge nicht zu leugnen. Im Gegenteil waren viele Deutsche direkt oder indirekt in die Verbrechen des Nationalsozialismus involviert, profitierten von der Verfolgung, Enteignung und Ermordung von Jüd:innen und anderen Bevölkerungsgruppen, oder ermöglichten sie durch Duldung, politische Untätigkeit oder Wegsehen. Die Vermittlung der mehrheitsgesellschaftlichen Involviertheit in die Verbrechen des Nationalsozialismus scheint jedoch als besondere Herausforderung für die historisch-politische Bildung. Die Ergebnisse empirischer Studien weisen auf fehlendes oder schwindendes Wissen über die Zeit des Nationalsozialismus und die gesellschaftliche Einbettung der nationalsozialistischen Verbrechen hin. Vorstellungen von einer deutschen Bevölkerung, die unwissend oder unbeteiligt war, finden sich bis heute, und revisionistische Perspektiven auf die NS-Zeit werden nicht zuletzt von rechtspopulistischen Akteur:innen in Deutschland offensiv propagiert.

In einem Workshop mit Expert:innen der Erinnerungskultur diskutiert das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG), Teilinstitut des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ), die Herausforderungen in der Vermittlung von gesamtgesellschaftlichen Perspektiven auf die NS-Verbrechen. Der interne Workshop schließt mit einem öffentlichen Vortrag von Dr. Klaus Müller (United States Holocaust Memorial Museum, Washington) ab. In diesem werden auszugweise Exponate aus der Ausstellung „Einige waren Nachbarn: Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand“ des USHMM vorgestellt. Die Ausstellung „untersucht die Rolle der gewöhnlichen Menschen im Holocaust und die Vielzahl von Motiven und Spannungen, die individuelle Handlungsoptionen beeinflussten. Diese Einflüsse spiegeln oft Gleichgültigkeit, Antisemitismus, Karriereangst, Ansehen in der Gemeinschaft, Gruppenzwang oder Chancen auf materiellen Gewinn wider. Die Ausstellung zeigt auch Personen, die den Möglichkeiten und Versuchungen, ihre Mitmenschen zu verraten, nicht nachgegeben haben und uns daran erinnern, dass es auch in außergewöhnlichen Zeiten Alternativen zu Kollaboration und Täterschaft gibt.“ In der anschließenden Diskussion mit Thomas Köhler (Geschichtsort Villa ten Hompel) und Corinna Jentzsch (Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft) werden ausgehend von der Ausstellung aktuelle Chancen und Herausforderungen der historisch-politischen Bildungsarbeit diskutiert.

Kontakt

  • Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG)


Online via Zoom
Raum:


Zielgruppe:
alle

Öffentlichkeit:
öffentlich

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