Vortrag

Cecile van de Velde: Social Anger, Politics & Youth

Öffentlicher Abendvortrag

Mo 29.11.2021
19:30 – 21:30
Online via Zoom

Junge Menschen sind zunehmend „politisch“; sie „melden“ sich als „Generation […] zu Wort“ (Shell 2019)
und fordern die Politik heraus (BJK 2019). Konstatiert wird „ein gestiegenes politisches Interesse sowie
eine zunehmende Bedeutung von politischem Engagement bei jungen Menschen“ (BMFSFJ 2020), welches
im Rahmen der neuen Jugendstrategie als neues „partnerschaftliches Verhältnis“ von Jugend und Politik
proklamiert wird. Zwar wird vielen, durch junge Menschen getragenen, politischen Ausdrucksformen,
exemplarisch sei hier auf das gestiegene klimaaktivistische Engagement verwiesen, seitens der Politik
auch mit einer gewissen Portion Desinteresse, Sorge und Abwehr begegnet, jedoch fordert die Bundesre-
gierung in ihrer Stellungnahme zum 16. Kinder- und Jugendbericht (2020) dazu auf, alle jungen Menschen
bei ihrer politischen Selbstpositionierung zu unterstützen, um ihre Entwicklung zu gemeinschaftsfähigen
Persönlichkeiten zu fördern. Diese Akzentuierungen machen deutlich, dass junge Menschen einerseits
Objekt und Gegenstand von Politisierung sind, zugleich aber auch andererseits selbst auf vielfältige Weise
als politische Akteur*innen auftreten. Jugendliche werden sowohl im Rahmen institutionalisierter Betei-
ligungsformen verstärkt als Partizipationssubjekte und zukünftige, noch im Werden begriffene, Bürger*in-
nen adressiert, wie auch – und nicht erst seit der diagnostizierten ‚Populismusanfälligkeit‘ und den aktu-
ellen Klima-Protestbewegungen, als politische Akteur*innen wahr- und ernstgenommen.


Zwar liegen eine Vielzahl von Studien und theoretischen Entwürfen zu Jugendpolitiken vor, jedoch wer-
den zumeist die gesellschaftlichen Debatten über Jugend und ‚die Jugend‘ betreffenden Programme,
Maßnahmen und gesetzlichen Rahmungen daraufhin befragt, wie diese Jugend als Lebensphase konstru-
ieren und institutionalisieren. Die Bandbreite der (jugend-)politischen Thematisierung reicht dabei von
Jugend als (eigenständigem) Möglichkeits- und Ermöglichungsraum hin zu Jugend als Phase der möglichst
effizienten und (zeit-)ökonomischen Vorbereitung auf deren spätere Einmündung in den Arbeitsmarkt,
welche mit Individuations- und (Selbst-)Optimierungsanforderungen verknüpft ist. Auch wird das Verhält-
nis von Jugend und Politik nicht selten lediglich als Gegenstand politischer Bildung oder als Frage nach
angemessenen (formalen) Beteiligungsformaten, -anlässen und Programmen verhandelt. Ein solch starres
Partizipationsverständnis läuft jedoch Gefahr, die in politischen Praktiken eingelassenen Macht- und
Herrschaftsverhältnisse aus den Augen zu verlieren, wenngleich sich hier der Gegenstand der ‚Politisie-
rung von Jugend‘ als Kampf- bzw. Konfliktfeld markieren lässt. Und letztlich sind im Reden über, von und
mit Jugend Zuschreibungen und Grenzziehungen – etwa über die (legitimen) Formen politischer Beteili-
gung Jugendlicher – eingelassen, welche nicht zuletzt einen Beitrag zur Aufrechterhaltung einer spezifi-
schen generationalen Ordnung leisten. Dabei steht auch zur Debatte, ob und in welchem Maß die klassi-
schen Konfliktlinien divergenter generationaler Interessenlagen (noch) eine Rolle spielen.

Kontakt

  • Fakultät für Erziehungswissenschaft
  • Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG)
  • Zentrum für Kindheits- und Jugendforschung (ZKJF)


Online via Zoom
Raum:
wird noch bekannt gegeben

Zielgruppe:
alle, Absolvent*innen, Bürger*innen, Internationals, Lehrende, Lehrer*innen, Studierende, wiss. Nachwuchs, Wissenschaftler*innen

Öffentlichkeit:
öffentlich

Link zur Event-Website

Tags