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Diskussion, Kolloquium, Vortrag

Caterina Schürch, München: Like cracking a walnut with a sledge hammer“: Die diffizile disziplinenübergreifende Erschließung des Mechanismus der Anthocyan-Synthese, 1928–1938.

I²SoS Kolloquium

31.05.2022
16:00 - 18:00
Universität Hauptgebäude
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Vortrag im Rahmen des Kolloquiums Institute for Interdisciplinary Studies of Science.

Der Vortrag beleuchtet ein disziplinenübergreifendes Forschungsprojekt der 1930er Jahre zur Frage, wie eine Gruppe von Pigmenten, die Anthocyane, in der Pflanze synthetisiert werden. Für diesen Vorgang interessierten sich Ende der 1920er Jahre sowohl VertreterInnen der Organischen Chemie als auch der Genetik. Erstere erforschten die Struktur der Pigmente und versuchten, diese in vitro zu synthetisieren. In der Genetik wiederum gehörte die Blütenfarbe zu den traditionell studierten Erbmerkmalen.

Obwohl die Genetikerin und Biochemikerin Muriel Wheldale Onslow seit längerem auf das Potential disziplinenübergreifender Anthocyan-Studien hingewiesen hatte (sie glaubte, dass sich durch die Methoden-Kombination der Mechanismus der Anthocyan-Produktion aka der Blütenfarbenausprägung erhellen lässt), lief die chemische und genetische Anthocyan-Forschung bis 1929 parallel zueinander. Denn keine der beiden Parteien glaubte, von den Methoden des jeweils anderen Fachs profitieren zu können. Der Organiker Robert Robinson unterstrich seine Skepsis gegenüber den genetischen Methoden wie folgt: Diese seien viel zu grob—wie ein Vorschlaghammer—, um eine delikate Walnuss wie die Pigment-Biosynthese zu knacken. Und auch die GenetikerInnen der John Innes Horticultural Institution sahen keinen Anlass, sich genauer mit den den verschiedenen Blütenfarben zugrundeliegenden Pigmenten auseinanderzusetzen.

Trotz dieser Widerstände gelang es der jungen Biochemikerin Rose Scott-Moncrieff, Wheldale Onslows Vision umzusetzen. Sie verfügte über eine Schlüssel-Expertise, an der Robinson wie die JIHI-GenetikerInnen gleichermaßen interessiert waren. Über ihre Zusammenarbeit mit beiden Fachgruppen erhielt Scott-Moncrieff Zugriff auf deren Daten und konnte nachweisen, dass genetische Unterschiede mit strukturellen Unterschieden korrelieren. Ihre Forschung lieferte spektakuläre Einblicke in die Wirkung von Genen und in vivo-Synthesewege (—genauso, wie Wheldale Onslow erhofft hatte).

In dem Vortrag bespreche ich die materiellen und konzeptionellen Bedingungen für das Zustandekommen des disziplinenübergreifenden Projekts und diskutiere die besondere Rolle Scott-Moncrieffs als dessen Koordinatorin. Die Episode vermittelt außerdem Hinweise darauf, wie ForscherInnen dazu kommen, neue methodologische Normen zu akzeptieren und einzufordern.

Alles auf einen Blick:

  • Veranstalter: Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie
  • Ort: Universität Hauptgebäude
  • Raum: T2-233
  • Zeit: 31.05.2022, 16:00 - 18:00
  • Zielgruppe: Lehrende und Forschende, Studierende, Wiss. Nachwuchs
  • Öffentlichkeit: universitätsintern
  • Anmeldung: Link zur Event-Website