Skip to main content

Dr. Annika Klanke erhält Rita Süssmuth-Forschungspreis


Text: Universität Bielefeld

In diesem Jahr erhalten Dr. Annika Klanke, Literaturwissenschaftlerin an der Universität Bielefeld, und Professorin Dr. Ulrike Krause, Politikwissenschaftlerin an der Universität Münster, den Rita Süssmuth-Forschungspreis. Mit der Auszeichnung werden exzellente Forscherinnen und Forscher aller Fachrichtungen gewürdigt, die in ihrer Arbeit Geschlechteraspekte untersuchen und damit das Verständnis von gesellschaftlichen Zusammenhängen auch über die Fachdisziplin hinaus ermöglichen.

Wissenschaftsministerin Ina Brandes überreichte am Montag, 22. Juni, die Auszeichnungen an die beiden Forscherinnen in den Räumlichkeiten der Bezirksregierung Düsseldorf. Zudem hielt die Ministerin eine Laudatio auf das Lebenswerk der im Februar dieses Jahres verstorbenen Professorin Dr. Rita Süssmuth: „In diesem Jahr übergeben wir den Rita Süssmuth-Forschungspreis erstmals ohne die prägende Namensgeberin. Rita Süssmuth war glühende Verfechterin für die Gleichbehandlung der Geschlechter und selbst Vorbild als Wissenschaftlerin wie als Politikerin. Für die Geschlechterforschung in Deutschland hat sie Pionierarbeit geleistet. Heute wissen wir, dass das Geschlecht ein wichtiger Faktor ist, um zu präziseren Forschungserkenntnissen zu gelangen, sie richtig zu deuten und anzuwenden. Das gilt für alle Forschungsfelder, die sich mit dem Menschen beschäftigen, etwa Medizin, Sozialwissenschaften oder Technik. Beiden Preisträgerinnen ist es mit ihren Arbeiten in besonderer Weise gelungen, politische und weltanschauliche Themen der geschlechtersensiblen Forschung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu holen. Ich gratuliere Dr. Annika Klanke und Prof. Dr. Ulrike Krause zu diesem Erfolg“, sagt Wissenschaftsministerin Ina Brandes. 

Dr. Annika Klanke von der Universität Bielefeld hat die Fachjury in der Kategorie „Impulse“ überzeugt. Ihre Arbeit zum Thema „Das Private ist nach wie vor politisch? Erfahrung und Geschlecht in der feministischen Essayistik der Gegenwart“ untersucht ein aktuell vielgelesenes Genre, in dem persönliche Erfahrung dargestellt wird, um gesellschaftliche Entwicklungen zu deuten. In Essays werden wissenschaftliche oder kulturelle Themen selbstreflektierend erörtert und sollen vorwiegend Denkanstöße statt abschließender Antworten liefern. Dabei zeigt Dr. Annika Klanke, wie sich die Bedeutung des feministischen Slogans „Das Private ist politisch“ seit den 1970er Jahren bis in die Gegenwart verschoben hat. Dr. Annika Klanke dazu: „Diese Auszeichnung zu erhalten, ist eine große Ehre. In meiner Forschung interessiere ich mich besonders dafür, was literarische Texte über die Widersprüche ihrer Zeit verraten. Mithilfe des Preisgelds möchte ich gern eine internationale Sommerschule zum Thema meines neuen Forschungsprojekts planen. Darin untersuche ich, wie Literatur vom 16. bis ins 19. Jahrhundert von den Widersprüchen des Füreinander-Sorgens erzählt. Dass dieser Preis den Namen von Rita Süssmuth trägt, die der Geschlechterforschung in Deutschland den Weg bereitet hat, bedeutet mir viel.“

Sie forscht und lehrt seit 2021 am Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung (IZG) der Universität Bielefeld. Im Graduiertenkolleg „Geschlecht als Erfahrung“ promovierte sie zum Thema „Feministische Essayistik der Gegenwart“. Grundlage dieser Untersuchung ist ein breites Korpus deutschsprachiger Essays oder Non-Fiction – von populären Bestsellern bis zu literarisch anspruchsvollen Texten –, die seit den 1990er Jahren erschienen sind. Annika Klanke bietet eine umfassende Untersuchung der Darstellungsform aus feministischer Sicht und beleuchtet die Verflechtungen von globalen literarischen Entwicklungen und politischen Bewegungen. Zuvor hat sie an der Humboldt-Universität Berlin, der Universität Bremen und der Cornell University in Ithaca (NY/USA) studiert.

Professorin Dr. Ulrike Krause von der Universität Münster erhielt die Auszeichnung in der Kategorie „Forschung plus“. Sie widmet sich in ihrer Arbeit seit über 15 Jahren der Bedeutung von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen im Kontext von Flucht, Konflikt, Gewalt und humanitärer Politik.

Bereits 2024 wurde mit Gesundheitswissenschaftlerin Professorin Dr. Céline Miani eine Wissenschaftlerin der Universität Bielefeld mit dem Rita Süssmuth-Forschungspreis ausgezeichnet

Weitere Informationen zum Preis  

Die Anträge wurden von einer Jury von Expert*innen bewertet, deren Mitglieder ihren Hochschulstandort außerhalb Nordrhein-Westfalens haben. Die Preisgelder in Höhe von 35.000 und 70.000 Euro werden zur Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeit eingesetzt, wobei die Verwendung einen klaren Bezug zum Thema Nachwuchsförderung aufweisen muss. Erstmals wurde der Rita Süssmuth-Forschungspreis 2019 ausgeschrieben und wird alle zwei Jahre durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft verliehen. 

Zur Pressemitteilung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft in NRW geht es hier