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„Die Nachhaltigkeitsstrategie stellt die Weichen für unseren Weg zu einer nachhaltigeren Universität“


Text: Universität Bielefeld

Zum zweiten Mal veröffentlicht die Universität Bielefeld im April 2026 ihren Nachhaltigkeitsbericht. In der Bilanz erfährt man mehr über die Nachhaltigkeitsaktivitäten in den Handlungsfeldern Studium & Lehre, Forschung und Betrieb. Die Nachhaltigkeitsstrategie zeigt auf, mit welchen Schwerpunkten sich die Universität Bielefeld zukünftig in puncto Nachhaltigkeit gut aufstellen will. Im Interview spricht Prof. Dominik Schwarz, Rektoratsbeauftragter für Nachhaltigkeit darüber, in welchen Bereichen die Universität Bielefeld bereits gut aufgestellt ist und wo noch große Herausforderungen warten.


Wenn Sie im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht Bilanz ziehen: Wo steht die Universität Bielefeld 2026 auf ihrem Weg zu einer nachhaltigen Universität?

Im 2024 verabschiedeten Nachhaltigkeitsleitbild haben wir uns ehrgeizige Ziele gesetzt: Wir wollen als Universität gesellschaftliche Entwicklungen vorausdenken und selber anstoßen. Dazu gehört aufzuzeigen, dass eine nachhaltige Universität möglich und umsetzbar ist. Der Bericht dient der transparenten Dokumentation unserer Fortschritte in verschiedenen Bereichen der Universität. Und die können sich sehen lassen: Seit dem letzten Bericht 2023 sind wir in fast allen Bereichen nachhaltiger geworden!



Dominik Schwarz steht neben einer Kreidewandtafel. Er trägt ein kariertes Sakko.
Prof. Dr. Dominik Schwarz, Kosmologe an der Universität Bielefeld und Rektoratsbeauftragter für Nachhaltigkeit.

Können Sie diese positive Entwicklung an ein paar konkreten Zahlen festmachen?

Ein sehr prominentes Beispiel ist unsere Treibhausgasbilanz: Hier konnten wir unsere Treibhausgasemissionen in innerhalb von 4 Jahren um mehr als 20 Prozent senken. Im gleichen Zeitraum konnten wir rund 11 Prozent Fernwärme einsparen. Sehr groß ist auch der Anteil des Pendelverkehrs auf unsere CO2-Bilanz. Umso mehr freuen wir uns darüber, dass heute mehr als zwei Drittel unserer Studierenden und Mitarbeiter*innen mit dem Umweltverbund zur Universität kommen – also mit dem öffentlichen Personenverkehr, zu Fuß oder mit dem Rad. Es wäre hervorragend, wenn wir diesen Anteil gemeinsam weiter steigern könnten. Aber nicht alles lässt sich nur an Zahlen festmachen, zum Beispiel unsere neuen Studiengänge zu nachhaltiger Chemie oder die Umstellung der Schädlingsbekämpfung in unseren Gewächshäusern auf die Verwendung von Nützlingen.

Welche Herausforderungen bleiben?

Zu unserer Bilanz gehört auch, dass wir unseren Stromverbrauch nur unwesentlich senken konnten. Auch reichen unsere Anstrengungen bei der Treibhausgasbilanz bisher nicht aus, um die ehrgeizigen Klimaziele des Leitbilds zu erreichen. Unser Energieverbrauch ist dabei übrigens nicht nur ökologisches Thema, sondern bei den aktuellen Preisen auch ein wichtiger Kostenfaktor für die Universität. Auch ist unsere Treibhausgasbilanz nicht vollständig, da wir zum Beispiel bislang die durch Beschaffungen verursachten THG-Emissionen nicht erfassen.

Welchen Mehrwert liefert die aktualisierte Nachhaltigkeitsstrategie?

Unsere Strategie baut auf dem Leitbild und den bisherigen Berichten auf, setzt aber mit Blick nach vorne klare Schwerpunkte: Wo können wir am meisten erreichen, wo haben wir die größten Hebel? So stehen bei der Strategie Energiesparen und Klimafolgenanpassung im Fokus, und wir nehmen das Thema Mobilität mit etwas geringer Priorität in den Fokus. Der Grund dafür: Im Energiebereich können wir unmittelbar Einfluss nehmen – etwa durch technische Maßnahmen. Aktuell bauen wir beispielweise eine Zählerinfrastruktur auf, die konkrete Verbräuche besser ermittelt und planen eine Nachhaltigkeits-Zertifizierung unserer Labore, von der wir uns ein verstärktes Bewusstsein für energieintensives Verhalten und die Identifikation weiterer Maßnahmen erhoffen. Bei der Mobilität, insbesondere beim Pendeln, sind unsere Handlungsmöglichkeiten dagegen begrenzt, da viele Rahmenbedingungen außerhalb der Universität liegen wie beispielsweise in der Anbindung des Campus an den öffentlichen Nahverkehr. Hier können wir vor allem Anreize setzen und mit der Stadt und Mobilitätsanbieter*innen zusammenarbeiten.

Sie haben den neuen strategischen Schwerpunkt der Klimafolgenanpassung erwähnt. Was hat es damit auf sich?

Die Anpassung an Klimafolgen ist für uns als Universität ein wichtiges Handlungsfeld, das wir beispielsweise bei unseren eigenen Bautätigkeiten, beim Aufbau der Infrastruktur für die Medizinische Fakultät und der Gestaltung der Außenflächen mitdenken. Dies zeigt eindrücklich: Indem wir in der Strategie den Fokus darauf legen, wo wir den größten Handlungsspielraum haben, stellen wir uns stärker auf und bleiben beweglich.

Wie zufrieden sind Sie persönlich mit den Fortschritten der Universität in punkto Nachhaltigkeit? Wo sehen Sie persönlich das größte Potenzial, noch besser zu werden?

Als Rektoratsbeauftragter bin ich dankbar für das große Interesse und die aktive Beteiligung auf unserem Weg, die Universität nachhaltiger zu gestalten – das gilt sowohl für die Mitarbeitenden als auch für die große Zahl der engagierten Studierenden. Nach meiner persönlichen Einschätzung können wir alle Ziele, die wir uns gesetzt haben, gemeinsam erreichen – wenn auch vielleicht nicht mit der Geschwindigkeit, die wir uns vor einigen Jahren vorgenommen haben. Wir halten an unseren Zielen fest und versuchen noch besser zu werden, indem wir Prioritäten setzen und ein möglichst breites Bewusstsein für unsere Herausforderungen schaffen. Zudem wollen wir besonders in puncto Mobilität die Zusammenarbeit mit der HSBI verstärken.

Welche Botschaft möchten Sie Studierenden und Beschäftigten mitgeben?

Bei 23.500 Studierenden und 3.000 Beschäftigten ist der Anteil jeder einzelnen Person am Gesamtergebnis höher als man denkt. Alltägliche Fragen wie „wie komme ich zur Uni, was esse ich, mit welchem Computer arbeite ich?“ machen in Summe einen großen Unterschied. Wenn Sie etwas ändern können, um Ihre Ziele nachhaltiger zu erreichen, tun Sie es. Wenn Sie nicht wissen welcher Weg der nachhaltigere ist, fragen Sie nach, und wenn Sie auf ein Hindernis stoßen, das Sie selbst nicht aus dem Weg räumen können, aber denken, dass es die Universität kann, dann lassen Sie uns das wissen.
Prof. Dr. Dominik Schwarz

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