Studierende vom Lerntyp „Lerche“ kommen mit purer Online-Lehre besser zurecht als „Eulen“

16.09.2021
von: Universität Bielefeld

Die Tageszeit hat große Auswirkungen auf das Lernverhalten von Menschen. Eine Studie hat nun bei Studierenden untersucht, wie es um die Befriedigung der psychologischen Grundbedürfnisse, die Motivation und die Vitalität im Distance-Learning bestellt ist. Von Interesse waren dabei auch die Persönlichkeit und der Chronotyp. Die Ergebnisse wurden nun in einem Journalbeitrag vorgestellt. An der Studie waren drei Forschende der Universität Bielefeld beteiligt.

Wann Menschen am leistungsfähigsten sind, hängt in der Regel von deren innerer Uhr ab. Diese Disposition entscheidet darüber, ob eine Person eher ein Langschläfer ist, also eine nachtaktive Eule, oder ein Frühaufsteher, also eine morgenfrische Lerche. Eine Forschungsteam hat nun untersucht, ob Lerchen oder Eulen besser für die Bürden der Lockdowns gerüstet sind. Zum Team gehören Naomi Staller und Professor Dr. Christoph Randler von der Eberhard Karls Universität Tübingen, Dr. Nadine Großmann, Dr. Alexander Eckes und Professor Dr. Matthias Wilde von der Universität Bielefeld sowie Professor Dr. Florian Müller vom Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung der Universität Klagenfurt.

Die Wissenschaftler*innen haben für ihre Studie 228 Biologie-Studierende (Bachelor- und Masterstudien) im Juni 2020 in Deutschland online befragt. All diese Studierenden waren zu diesem Zeitpunkt im Modus des weitgehenden Distance-Learning, das durch die Covid-19-Pandemie mit den einhergehenden Lockdowns notwendig geworden war. Die Erhebung fragte unter anderem nach Motivation, Vitalität und Selbstwirksamkeit. Außerdem wurden Persönlichkeitseigenschaften und der Chronotyp erfasst.

Bilder der Personen: Professor Dr. Matthias Wilde, Dr. Nadine Großmann und Dr. Alexander Eckes
Die Didaktiker*innen (v. li.) Professor Dr. Matthias Wilde, Dr. Nadine Großmann und Dr. Alexander Eckes von der Universität Bielefeld gehören zu den Autor*innen der Studie. Foto links: Universität Bielefeld, Foto Mitte: PicturePeople, Bochum, Foto rechts: Alexander Büssing

Der Unterrichtsforscher Florian Müller von der Universität Klagenfurt erklärt zu den Ergebnissen: „Wir müssen mehr über die Erfolgsfaktoren von digitalen Lernumgebungen wissen, um diese besser zu gestalten. Je nach Chronotyp und Persönlichkeit brauchen die Studierenden andere Formen der Unterstützung, um gut lernen zu können“, folgert Florian Müller.

„In Zeiten von Covid-19 mit ausschließlicher Online-Lehre und weniger vorgegebenen Tagesabläufen spielt es für das Lernverhalten Studierender eine wichtige Rolle, ob sie morgens oder abends geistig aktiver sind“, sagt der Biologiedidaktiker Matthias Wilde. „Während sich die ,Lerchen‘ bei Distance-Learning meist weiterhin gut im Griff haben und ihre Lernmotivation in der Regel kaum leidet, fällt es ,Eulen‘ im Durchschnitt schwerer, ihre Motivation aufrechtzuerhalten.“

Wildes Mitarbeiterin Nadine Großmann ergänzt: „Die Motivation der ‚Eulen‘ zu unterstützen, ist daher von besonderer Bedeutung. Zwei Möglichkeiten, um die Motivation zu fördern, sind autonomieunterstützende Maßnahmen, beispielsweise die Vermittlung subjektiver Bedeutsamkeit von Studieninhalten, und kompetenzunterstützende Maßnahmen wie die Strukturierung von Lernumgebungen.“

Alexander Eckes, ebenfalls Forscher an der Universität Bielefeld, weist zudem auf die Konsequenzen für den bevorstehenden Übergang in hybride beziehungsweise Präsenzlehre hin: „Wir können noch nicht absehen, wie ‚Lerchen‘ und ,Eulen‘ auf den erneuten Wechsel in hybride Lehrveranstaltungen und Präsenzlehre reagieren werden. Hier erscheinen weiterführende Untersuchungen auch in Hinblick auf die weiterführende Digitalisierung an Universitäten sinnvoll.“

Originalveröffentlichung:
Naomi Staller, Nadine Großmann, Alexander Eckes, Matthias Wilde, Florian H. Müller, and Christoph Randler: Academic Self-Regulation, Chronotype and Personality in University Students During the Remote Learning Phase due to COVID-19. Frontiers in Education, https://doi.org/10.3389/feduc.2021.681840, erschienen am 30. Juni 2021.