Abwasser-Monitoring als Pandemie-Frühwarnsystem für Metropolen

12.08.2021
von: Jörg Heeren

An dieser Stelle sammeln wir aktuelle Initiativen von Wissenschaftler*innen der Universität Bielefeld, die mit der Corona-Pandemie zusammenhängen. Der Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

+++ 12.08.2021

Abwasser-Monitoring als Pandemie-Frühwarnsystem für Metropolen

Die Dynamik der Corona-Pandemie und die Ausbreitung neuer Virusvarianten lassen sich frühzeitig über Abwasseruntersuchungen in Städten erkennen. Dass Abwasser-Monitoring ein hohes Potenzial zum Nachweis des Virus und seiner Varianten hat, bestätigt nun eine einjährige Verlaufsstudie des KoCo19 Studienkonsortiums, an dem Professorin Dr. Christiane Fuchs von der Universität Bielefeld beteiligt ist. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Science of the Total Environment veröffentlicht.

„Die Untersuchung der Viruslast im Abwasser eröffnet neue Möglichkeiten: So konnten die Labore beispielsweise die Verbreitung der damals neu auftretenden Virusvariante B.1.1.7 (Alpha-Variante des Coronavirus) nachweisen, noch bevor sie in den Abstrichen festzustellen war. Das bedeutet gerade in einer Pandemie einen entscheidenden Zeitvorteil“, sagt Professorin Dr. Christiane Fuchs. Sie ist Lehrstuhlinhaberin für Data Science der Universität Bielefeld sowie Leiterin der Gruppe Biostatistics des Helmholtz Zentrums München.

Insgesamt bestätigt die Studie das Potential des Abwasser-Monitorings als Frühwarnsystem für die SARS-CoV-2 Pandemie und die Vorteile im Vergleich zu Massentests durch Abstriche. Im Frühjahr 2021 bekräftigte die Europäische Kommission in ihrer Empfehlung, eine systematische Abwasser-Überwachung von SARS-CoV-2 und seinen Varianten in allen EU-Mitgliedstaaten einzuführen. Besonders in Metropolen, in denen sich das Virus rapide verbreiten kann, bietet die Abwasser-basierte Epidemiologie (Waste-water based epidemiology, WBE) große Vorteile.

Die vollständige Meldung ist hier zu finden.

+++ 24.02.2021

Studie zeigt: Viele junge Menschen tun sich schwer mit Einhaltung von Schutzregeln

In der Bevölkerung in Deutschland steigt die Kompetenz an, mit den Auswirkungen der Coronapandemie im alltäglichen Leben umzugehen. Das zeigt eine repräsentative Trendstudie zur Gesundheitskompetenz. Erhoben wurde sie von einem Team des Interdisziplinären Zentrum für Gesundheitskompetenz (IZGK) der Universität Bielefeld und der Hertie School Berlin. Die Studie erfasst die Gesundheitskompetenz zum Coronavirus bislang zu zwei Zeitpunkten: zum ersten Mal direkt nach Ausbruch der Pandemie im März 2020 und zum zweiten Mal während der Krise im September und Oktober 2020. Ein zentrales Ergebnis: Vom Frühjahr bis zum Jahresende 2020 stieg der Anteil der Menschen mit einer hohen corona-spezifischen Gesundheitskompetenz von 50,4 auf 64,5 Prozent an. „Gleichzeitig belegt unsere Erhebung aber die nach wie vor große Gruppe von Menschen mit einer geringen corona-spezifischen Gesundheitskompetenz, von Impf-Skeptiker*innen und -Verweigerer*innen sowie Menschen, die nicht an die Existenz des Coronavirus glauben“, sagt der Leiter der Studie, Dr. Orkan Okan vom IZGK. Zum Zeitpunkt der ersten Erhebung nahmen 1.037 Personen ab 16 Jahren an der Onlinebefragung teil, zum zweiten Messzeitpunkt 1.021 Personen. Beide Stichproben waren repräsentativ für die Merkmale Alter, Geschlecht, Bildung und Region. Die Studie zeigt, dass sich vor allem junge Menschen schwer damit tun, die Präventionsmaßnahmen einzuhalten. Der Erhebung zufolge setzen 41 Prozent der befragten 16- bis 29-Jährigen die AHA-Regeln zu Abstand, Hygiene und Alltagsmaske nicht vollständig um. In der älteren Bevölkerung gibt die Hälfte der Befragten an, dass die vielen Informationen zum Coronavirus sie beunruhigen: 42,5 Prozent fühlen sich „etwas verunsichert“, 8,9 Prozent „sehr verunsichert“. Etwas schwächer ist diese Verunsicherung über alle Bevölkerungsschichten hinweg messbar. Die komplette Studie ist hier zu finden.

+++ 17.02.2021

Corona-Virus zerstört Mikrogefäße der Leber

Ein Forschungsteam aus Bielefeld, Hamburg, Hannover und Boston (Harvard Medical School) hat jetzt in einer Studie mit der weltweit bisher größten Serie an Lebergewebeproben nachgewiesen, dass dieses Organ bis in die Mikrogefäße geschädigt wird. Eine mögliche Behandlungsoption: Blutverdünnende Medikamente, wie sie im Krankenhaus präventiv gegeben werden, können bei Patient*innen mit schweren Covid-19 Verläufen helfen, die Leber zu schützen.

Die Forschungsgruppe wurde geleitet von Professorin Dr. Barbara Kaltschmidt, Zellbiologin an der Fakultät für Biologie der Universität Bielefeld, und Prof. Dr. Jan Schulte am Esch, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB).

„Unter streng reglementierten Bedingungen haben wir Leber-Gewebeschnitte von insgesamt 73 verstorbenen Patienten und Patientinnen aus der Rechtsmedizin in Hamburg bekommen. Alle verstarben an einer Lungenentzündung, aber 13 Patienten ohne SARS-CoV-2. Damit hatten wir erstmals eine Kontrollgruppe.“ Eine gute Ausgangslage für Kaltschmidt, um die Viren und deren Vermehrung im Gewebe nachzuweisen.

Um eine Therapieempfehlung aus den neuen Erkenntnissen zu entwickeln, werden noch weitere Studien notwendig sein. Insgesamt untermauert die Forschungsarbeit, dass das Corona-Virus SARS-CoV-2 nicht nur Atemwege und Lungen infiziert, sondern auch den ganzen Körper massiv angreift. Die vollständige Meldung ist hier zu finden.

+++ Weitere Initiativen von Bielefelder Forschenden zur Coronapandemie stellt dieser Beitrag vor.